Im Osten billiger

Im Osten billiger

DokumentationD  

Hannes ist 83, ehemaliger Briefträger, und fährt jeden Tag in seinen Lieblingspark zu seiner Lieblingsbank. Dort zählt er vorüberlaufende Hunde, und manchmal kommt ein Hund zu Hannes, und der plaudert ein Weilchen mit dem Hundebesitzer. Nun hat Hannes seine kleine Bochumer Wohnung gekündigt und zieht in ein polnisches Heim. Er hat gehört, die Pflege sei dort besser als in Deutschland. Er weiß nicht, was ihn in Polen erwartet - er weiß nur, dass er nicht zurück kehren wird. Auch Anne, 64, geht nach Polen. Vor rund fünf Jahren ist sie an Demenz erkrankt. Sie kann sich nicht erinnern, was sie mit der Zahnbürste anfangen soll, die ihr Jörg jeden Morgen in die Hand drückt. 40 Jahre sind die beiden verheiratet - sie sei nur noch eine Hülle, sagt er, und wie schwer es ihm fällt, das mitanzusehen. In drei verschiedenen Tagespflegeeinrichtungen hat er seine Frau angemeldet - jedes Mal hat man sie wieder nach Hause geschickt. Seine Frau sei zu unruhig, zu aggressiv, zu pflegeintensiv. Jörg setzt seine Frau ins Auto, fährt neun Stunden von Winsen an der Luhe nach Zabelkow hinter Kattowitz - in der Hoffnung, dass sie in Polen mit seiner Frau zurechtkommen werden. Fabrice Gerdes hat das polnische Heim für Deutsche mit seinem polnischen Schwiegervater gegründet. Der Andrang ist groß. Es melden sich hauptsächlich mittelständische Angehörige, die einen hohen Anteil der Pflege in Deutschland selbst zahlen müssen. Monat für Monat Hunderte von Euro aus eigener Tasche. Oft ist die Immobilie in Gefahr, das Vermögen, das Erbe. In den meisten Fällen sind die neuen Bewohner dement. Sie kommen mit dem Krankentransport aus Deutschland, ohne Begleitung der Angehörigen. '37°' begleitet Hannes und Anne bei ihrem letzten Umzug. Wie wird es ihnen in der Fremde allein ergehen?

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