Im Heim
Vor einem Jahr erschütterte die Gewalttat einer Mutter die Schweiz: Die junge Frau brachte ihre beiden Kinder um, damit sie nicht zurück ins Kinderheim mussten.
Die Heimplatzierung als schlimmste Möglichkeit, schlimmer als der Tod - das ist ein Extremfall und Anlass für einen Besuch in einem Kinderheim.
Gewalt, Sucht, Krankheit: Die Gründe, wieso Eltern nicht für ihre Kinder sorgen können, sind mannigfach. Die erste Auffangstation ist in diesen Fällen das Kinderheim, zum Beispiel das "Tipi" im zürcherischen Birmensdorf. Können Kinder einen solchen Einschnitt unbeschadet überstehen? Dieser Frage geht Nathalie Rufer in ihrer Reportage nach.
Eva feiert Geburtstag, sie wird zwei Jahre alt. Bereits zum zweiten Mal feiert sie nicht mit ihren Eltern, sondern mit ihren Bezugspersonen im Kinderheim. Es gibt Geschenke, Kuchen und Kerzen, aber auf einen Anruf der Eltern warten alle vergeblich. Evas Mutter ist psychisch krank, der Vater lebt im Ausland, die Kleine hat praktisch ihr gesamtes Leben im "Tipi" verbracht.
In der Regel bleiben die Kinder nur Tage bis zu wenigen Monaten im "Tipi", danach kehren sie zurück in ihre Familien oder werden in Pflegefamilien platziert. In dieser Zeit müssen die Sozialpädagoginnen eine Bindung zum Kind aufbauen und es gleichzeitig bereits auf den Abschied vorbereiten - eine große emotionale Herausforderung, für beide Seiten.