IM Dienst der Stasi

IM Dienst der Stasi

Fast drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall schweigen noch immer hunderttausende Ost - und Westdeutsche über ihre einstige Mitarbeit bei der DDR-Geheimpolizei, ihren Verrat an Mitmenschen, ihr heimliches Doppelleben. Die Berlinerin Monika Haeger gab darüber an einem Spätsommerabend 1990 in ihrer Wohnung im Prenzlauer Berg ein vier Stunden langes Interview. Sie blieb so bis heute eine der wenigen inoffiziellen Mitarbeiterinnen, die sich vor Kamera und Mikrofon offenbarte und so begann sie, sich damit auseinanderzusetzen. Damals wurden im ARD-Fernsehen nur wenige Minuten veröffentlicht. Jetzt aber ist das verschollen geglaubte vollständige Interview wiederentdeckt und vom Journalisten Peter Wensierski zur Grundlage einer neuen TV-Dokumentation über den Fall Monika Haeger gemacht worden. Erstaunlich offen stellt sie sich Fragen wie: Wie schaffen es Geheimdienste, Menschen an sich zu binden? Was macht das mit einem? Warum glaubt man jahrelang, einer guten Sache zu dienen und erkennt sie viel zu spät als unmoralisch? Wie lange kann man es aushalten, mit finsteren Geheimnissen zu leben? Gibt es einen Punkt, an dem man noch aussteigen kann? Welche Spuren hat das Doppelleben vieler Menschen in der DDR hinterlassen? Monika Haeger, die sich selbst nicht als Spitzel, sondern als Kundschafterin sah, sucht auch nach Erklärungen, warum sie ausgerechnet jene Menschen als Feinde betrachtete, die freundlich zu ihr waren und sie in ihren Kreis aufnahmen? Was macht man mit dem Eingeständnis, selbst Teil eines Systems gewesen zu sein, das andere Menschen unterdrückt hat? Der Film geht den Fragen nach Schuld und Sühne, Macht und Ohnmacht in Zeiten eines totalitären Staates nach und hinterfragt, was die mangelnde Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für Demokratie und Gesellschaft heute bedeutet. Selbst drei Jahrzehnte später reagieren Menschen immer noch sehr emotional, wenn es um Stasi-Vorwürfe geht. Das zeigen Fälle wie der Streik der Studenten für den zurückgetretenen Berliner Staatssekretär Andrej Holm oder das Schicksal der Politikerin und Buchautorin Angela Marquardt. Monika Haeger starb 2006. Der Film zeichnet nicht nur ihren Lebensweg von 1945 über ihre Erziehung im DDR-Vorzeige-Kinderheim Königsheide bis ins Zentrum der Ost-Berliner Opposition um Bärbel Bohley nach, auch Monika Haegers Führungsoffizier kommt erstmals über sie zu Wort, in einem bislang unbekannten Tonbandinterview von 1990. Bei seinen Recherchen für den Film stieß der Autor auf viel Überraschendes: Monika Haeger hat nicht nur viele Fotografien und ein Tagebuch hinterlassen, sondern auch eine angefangene Biografie und zahlreiche Gedichte.

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