Holzschnitzer in Tirol

Holzschnitzer in Tirol

Der Strimmer Martl aus Laas in Südtirol, der Pius Unterkircher aus dem Pustertal und der Bachmeier Jakob aus Krimml im Pinzgau sind alle drei keine berufsmäßigen Schnitzer, aber irgendwann im Leben haben sie aus einem Zufall heraus mit dem Schnitzen angefangen. Der Martl aus dem Marmordorf Laas ist ein Chronist. Was andere mit dem Fotoapparat festhalten oder aufschreiben, schnitzt er in Holz. Das sind dann Geschichten wie die von dem alten Italiener, der mit Pferd und Wagen durchs Dorf fuhr und junge Hühner gegen alte Hennen tauschte. Er schnitzt Gasthausschlägereien, genauso wie die Schuhplattler, er schnitzt Jagdgeschichten, einen Faschingsumzug oder die feierliche Prozession am Hoch-unser-Frauentag: Da ist der Pfarrer unterm Himmel zu sehen, die Frauen, die Männer, die Jungfrauen, die Burschen, die Musik, die Feuerwehr und die Fahnenträger. Jede dieser Figuren ist knapp eine Spanne groß, und nebeneinander gestellt hat die Prozession eine stolze Länge von fünf Metern. Auch der Bachmeier Jakob ist ein Chronist, aber er beschränkt sich auf das Almleben. Genauer gesagt, beschränkt er sich auf einen Tag des Almlebens, auf den des Almabtriebs. Er schnitzt herrliche Züge von stolzen Pinzgauer Kühen, die von der Alm heim ins Tal gehen. Es sind die Kühe, die bei ihm im Stall stehen: die Pumma und die Stolze. Der Pius aus Terenten im Pustertal ist passionierter Schafzüchter, und so wie der Jakob hauptsächlich Kühe schnitzt, schnitzt der Pius hauptsächlich Schafe. Solche, die aussehen wie sein preisgekrönter Widder. Die drei Protagonisten entstammen alle der bäuerlichen Welt. Von dieser Welt, die sie im Herzen tragen, erzählen sie. Wahrscheinlich sind ihre Werke deswegen so überzeugend und anmutig.

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