Geschichten aus dem Prenzl'Berg
Gefängniszellen und Atombunker in einem Keller, das Depot der Pferdebahn im Multiplex-Kino, Fluchtwege unter dem Gleimtunnel: Entdeckungen im alten und neuen Szenebezirk. Die Spuren der Geschichte in Prenzlauer Berg sind unter neuem Putz und bunter Farbe versteckt, doch die Häuser und ihre Mauern erzählen. Wer weiß noch, wo zum Beispiel Anfang des 20. Jahrhunderts die italienische Kolonie mit ihren Lokalen und den berühmten Drehorgelwerkstätten lag? Prenzlauer Berg hatte auch ein vielfältiges jüdisches Leben. Vom Baruch Auerbachschen Waisenhaus zeugt noch ein Mauerrest. Nur ein paar Schritte entfernt spielte jeden Abend das Puhlmann Brettl - berühmte Künstler aus Operette, Varieté und Kabarett brachten hier die Berliner zum Lachen. Fünfundvierzig Kinos hatte der Bezirk einst, die Brüder Skladanowsky lehrten hier den Bildern das Laufen. In Hinterhöfen sind die Kuhställe einer Molkerei zu sehen, unter einer Brauerei die Luftschutzkeller aus dem Zweiten Weltkrieg und Gewölbe, in denen Zwangsarbeiter für die Rüstungsindustrie arbeiten mussten. Die Werner-Seelenbinder-Halle, ehemals der Großmarkt des Schlachthofs, wurde die wichtigste Sporthalle des Ostens. Der spannende Streifzug von Autorin Dagmar Wittmers durch die Geschichte des Prenzlauer Bergs erzählt vor allem von Schicksalen und Begebenheiten, an die im Stadtbild kaum noch etwas erinnert.