Geschichte im Ersten: Henry Kissinger
Am 27. Mai 1923 wurde Heinz Alfred Kissinger in Fürth geboren. Als Henry Kissinger wurde er einer der bedeutenden Politiker des 20. Jahrhunderts. Als Sicherheitsberater von US-Präsident Nixon und US-Außenminister hat er Geschichte geschrieben. Obwohl Kissinger seit 40 Jahren kein Regierungsamt mehr bekleidet, zählt er noch immer zu den wichtigsten Beratern diverser US-Präsidenten. Doch wenn es um seine Vergangenheit geht, ist er deutlich schweigsamer. Trotz seiner Verdienste - 1973 erhielt Kissinger den Friedensnobelpreis und in vielen Ländern gilt er bis heute als Polit-Star - verfolgen ihn noch immer schwere Vorwürfe. Welche Schuld trägt Kissinger an der Eskalation des Vietnamkriegs? Welche Rolle spielte er beim Putsch gegen den chilenischen Präsidenten Salvador Allende? Wie reagierte er auf die indonesische Invasion in Osttimor? Solchen Fragen geht Henry Kissinger meistens aus dem Weg. Dem Hamburger Dokumentarfilmer Stephan Lamby ist es gelungen, Kissinger zu einem ausführlichen Gespräch über sein Leben vor der Kamera zu bewegen. Ein ungewöhnlich offenes Gespräch über Macht und Moral. In dem mit großem Aufwand recherchierten Film kommen zahlreiche hochkarätige Zeitzeugen zu Wort, darunter der frühere US-Präsident George W. Bush, der ehemalige US-Außenminister und Nato-Oberbefehlshaber Alexander Haig, der US-amerikanische Politiker James Schlesinger, Altkanzler Helmut Schmidt, Egon Bahr, der 'Vater der Ostpolitik' sowie der Schriftsteller Norman Mailer und der Journalist Carl Bernstein, der die Watergate-Affäre mitaufdeckte. Der Film nutzt neben Archivbildern private Super-8-Aufnahmen und geheime Abhörbänder aus dem Oval Office - und bietet so einen ungewöhnlichen Einblick in das Weiße Haus. Die Geheimnisse der Supermacht USA - Bombardierungen, CIA-Aktionen, verdeckte Reisen zu feindlichen Regierungen, Abhörmaßnahmen gegen Mitarbeiter und sogar Willy Brandt - erscheinen in einem neuen Licht.