Gerhard Polt - Ekzem Homo

Gerhard Polt - Ekzem Homo

Kabarett und SatireD  

Der größte Feind des Menschen ist der Mensch! Und das ist ein prächtiges Leitmotiv für Gerhard Polt's satirische Theaterrevue "Ekzem Homo"!

Die nachbarschaftliche Hölle beginnt direkt an der Haustür respektive am Gartenzaun. Zu dieser nüchternen Erkenntnis kommt der Meister der geschliffenen Pointen, Gerhard Polt, wenn er sagt: "Es ist erstaunlich zu welcher Hochform der Mensch auflaufen kann, wenn es um die Missgunst gegenüber seinem Nachbarn geht."

In der Theaterproduktion der renommierten Münchner Kammerspiele mutet es fast wie im richtigen Leben an, wenn Gerhard Polt, die Well-Brüder, Stefan Merki und Konate Funke in drei improvisierten Vorgärten einer Reihenhaussiedlung eine thematische Perlenschnur aus den menschlichen Schwächen Unverständnis, Neid und Missgunst aufreihen. Von der Grillorgie in Nachbars Garten über einen auf seinen ökonomischen Restwert reduzierten Rentner, von den Absurditäten staatlicher Steuerlogik zum Ideenpotpourri zweier katholischer ausländischer Leihpriester, um die Kirchen wieder attraktiver zu machen, reicht der Spannungsbogen.

Temporeich wechselt intellektuelle Satire in Sprache, Musik und Situationskomik: Die Wellbrüder lüften musikalisch und tänzerisch das Geheimnis ihrer Herkunft, singen kraftvoll und süffisant das hohe Lied auf die Verdienste der bayerischen Polizei und rappen bissig gegen den G8-Abiturwahn des bayerischen Kultusministeriums. Dazu lächelt Funke Konate devot das Lächeln derer, die als bezahlbarer privater Pflegedienst ins Land geholt und nur als solcher toleriert werden. Und Stefan Merki bemüht sich nachsichtig-freundlich um nachbarschaftlichen Frieden - gedankt wird es ihm nicht!

Als Höhepunkt gipfelt "Ekzem Homo" in den eitel-absurden Denkeskapaden eines abgehalfterten bayerischen Landratsfürsten, der nur eines im Sinn hat, nämlich den eigenen Vorteil.

"Ekzem Homo" ist hinterfotzige Komik, satirische Sezierlust und deftiger Wutausbruch in einem! Gerhard Polt präsentiert bravourös seine Sicht auf die faulige Seite einer kleinbürgerlichen Denkwelt, die in der Kernfrage gipfelt: "Wer ist W i r ? Seine Antwort darauf: Ich jedenfalls nicht! W i r sind immer die andern!"

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