Gefangen auf der Tulpeninsel

Gefangen auf der Tulpeninsel

Die "Don-Mustangs" kennen keinen Sattel und keine Menschenhand. Lange Zeit waren die Wildpferde sich selbst überlassen. In heißen trockenen Sommern oder extrem langen Wintern starben sie oft.

Doch seit ihre Insel zum Rostowski-Nationalpark gehört, bekommen die Wildpferde Wasser aus einer wieder in Betrieb genommenen alten Wasserleitung. Jetzt stehen die Chancen gut für das neue Fohlen, dass es seinen ersten Sommer überlebt.

Das Fohlen hatte einen dramatischen Start ins Leben. Es wurde im heißen Hochsommer in Südrussland geboren, als die Temperaturen in der vorkaspischen Steppe auf fast 40 Grad Celsius anstiegen. Dieser Landstrich mit vielen Salzseen und Salzsümpfen ist ein Relikt aus der Zeit vor fünf Millionen Jahren, als das Tethys-Urmeer vom Atlantik bis weit in das vorderasiatische Tiefland hineinreichte. Niemand weiß, wie diese Pferde hierher kamen, niemand weiß, wie sie es schaffen, hier zu überleben. Über ihre Herkunft kursieren unterschiedliche Legenden.

Stark und robust führen diese groß gewachsenen Tiere ihren hartnäckigen Überlebenskampf auf einer kargen Insel, gefangen inmitten eines 150 kilometerlangen und 15 bis 18 kilometerbreiten Salzsees in der Nähe vom Don-Delta. Anfang April beginnt hier ein stürmischer Frühling: In kürzester Zeit zeigt sich die Steppe als riesiges blühendes Tulpenfeld. Ende Mai jedoch bringen bereits asiatische Winde die Hitze aus der Wüste Kara-Kum. Alles verdorrt und die Wasserreserven auf der Tulpeninsel werden knapp. Für die Don-Mustangs alljährlich eine lebensbedrohliche Situation, da jedes erwachsene Tier mindestens 80 Liter Wasser täglich braucht. Das extreme Klima fordert Pferdeleben. Doch die Situation hat sich geändert, seit die Insel zum Nationalpark "Rostowskij" gehört.

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