Full Metal Village

Full Metal Village

Draußen grasen unter holsteinischem Himmel die Milchkühe, drinnen gibt es beim Kaffeekränzchen selbstgebackenen Kuchen. Auf den ersten Blick ein ganz normales Dorf, wie es in Deutschland viele davon gibt, beschaulich und idyllisch - Wacken. Alltägliches bestimmt das Leben der Wacken-Bewohner: Da ist zum Beispiel Bauer Trede, der stolz seinen täglich zehn Zentimeter wachsenden Mais präsentiert und sich neben der traditionellen Landwirtschaft mit einer Biogasan-lage und kleinen Aktiengeschäften seine 'Nebeneinkünfte' sichert. Bauer Plähn hingegen scheint da gelassener. Wenn er Zigarette rauchend im Stall sitzt und wartet, bis die Milch auf 40 Grad erwärmt wird, scheint die Zeit für eine Weile still zu stehen. 'So macht Landwirtschaft Spaß', sagt er und seufzt. Familienvater Norbert bastelt derweil an seinem Motorrad. Er ist seit ein paar Jahren arbeits-los. Mit einer Computerumschulung vom Arbeitsamt will er sich nicht vertrösten lassen. Er will lieber praktisch arbeiten, aber 'in der Gegend hier is ja nix los'. Einmal im Jahr jedoch, am ersten Wochenende im August, ist richtig was los in Wacken. Dann findet für drei Tage das 'Wacken Open Air'-Festival statt. 'Wa-cken rules!' dröhnt es als Schlachtruf, und 40.000 Heavy-Metal-Fans mit langen Haaren, schwarzen Ledermänteln und Nietenhalsbändern stürmen aus aller Welt in das Dorf. Sie kommen, um ihre Musik und sich selbst zu feiern. Schwarze Schlangen bilden sich dann vor dem kleinen Supermarkt, auf den Wiesen reiht sich in endloser Weite ein Zelt ans nächste, und vor der riesigen Black-Metal-Stage wogen tausende von Armen und Köpfen im harten Rhythmus der Metal Musik. 'Full Metal Village', der vielfach preisgekrönte 'Heimatfilm der anderen Art', setzt sich mit der kuriosen Begegnung zweier Kulturen auseinander und doku-mentiert - über das temporäre Musikereignis hinaus - das Bild einer ländlichen Gemeinde, deren Identität und Zusammenhalt ohne das Heavy-Metal-Festival nicht mehr denkbar scheint.

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