Flüchtlinge und Vertriebene an Rhein, Ruhr und Weser

Flüchtlinge und Vertriebene an Rhein, Ruhr und Weser

Geschichte 

Das 1946 gegründete Bundesland Nordrhein-Westfalen hieß in den 1950er Jahren auch 'das Flüchtlingsland der Bundesrepublik'. Knapp zweieinhalb Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten fanden hier Aufnahme, mehr als in jedem anderen Bundesland. Doch die meisten kamen mit Verspätung: Das Land lag weit im Westen, und in der unmittelbaren Nachkriegszeit waren Ruhrgebiet und weite Teile des Rheinlands wegen der verheerenden Kriegsschäden gesperrt. Erst mit den organisierten Transporten seit dem Herbst 1946 trafen viele Vertriebene im Westen ein. Sie wurden vor allem in den ländlichen Gebieten am Niederrhein, in Ost-Westfalen und im Sauerland angesiedelt und lebten dort mit Alteingesessenen auf engstem Raum, vielfach freundlich aufgenommen, aber oft auch angefeindet: 'Pimocken' war einer der Schimpfnamen, mit denen man sie belegte. Es sollte viele Jahre dauern, bis die Gräben zwischen Einheimischen und Hinzugekommenen wirklich überwunden waren.
Die Vertriebenen, die den Westen Deutschlands erreichen, haben einen langen und zermürbenden Weg hinter sich, geprägt von Angst und Unsicherheit, von Hunger und oft genug von Gewalt. Keiner hat sie vorbereitet auf das, was vor ihnen liegt. Ebenso wenig die Einheimischen, die nun zusammenrücken sollen.
Marianne Hagemann kommt schon 1945 als Flüchtling in Weilerswist an und wird von einem Hilfspolizisten bei Einheimischen einquartiert: 'Da wohnten Leute, die ahnten nichts davon. Wir standen da, und der Polizist hat ihnen nur gesagt: 'Wir beschlagnahmen jetzt ein Zimmer. Hier sind Flüchtlinge und die haben Sie aufzunehmen.' Das war eine Katastrophe für die Leute. Für uns auch. Es war nicht schön.' - Eine erste Begegnung zwischen Vertriebenen und Einheimischen, wie sie überall nach dem Krieg stattfindet. Manche Neuankömmlinge werden freundlich und mitleidig aufgenommen, viele aber auch abgelehnt und angefeindet: 'Da kamen schon manchmal Begriffe wie: Jetzt kommen die Kartoffelkäfer, die fressen uns auf!' erzählt Gerlinde Hopfinger, die 1946 nach Rheinbach kam.
Doch es hilft nichts - man wird auf Dauer miteinander auskommen müssen.

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