Fiat

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UnternehmerporträtD  

Was gut ist für Fiat, ist auch gut für Italien. Diesen Leitsatz haben alle Regierungen Italiens irgendwann akzeptieren müssen, denn der Agnelli-Clan, dem bis heute die Mehrheit am Unternehmen Fiat gehört, liebte nichts so sehr wie seine Unabhängigkeit. Der Film von Michael Busse und Maria-Rosa Bobbi beschreibt hundert Jahre eines industriellen und sozialen Abenteuers, in dessen Mittelpunkt die Familie Agnelli steht, die mit ihrem Glamour und ihrer Machtfülle lange Jahre wie eine inoffizielle Königsfamilie wirkte. Die Dokumentation stellt auch die Frage, ob die Zeit der großen Familiendynastien nicht abgelaufen ist, ob sich nicht auch Fiat nach gut hundert Jahren Unabhängigkeit nun dem zu Großfusionen drängenden Börsenkapitalismus beugen muss. Der italienische Diktator Mussolini musste als Erster erfahren, wie groß der Wille nach Unabhängigkeit der Agnellis ist. Mit einer betrieblichen Sozialpolitik hielt Giovanni Agnelli, Mitbegründer von Fiat und seit 1920 Fiat-Präsident, die faschistische Gewerkschaft auf Distanz. Agnelli engagierte sogar von Mussolini verfolgte Juden als Privatlehrer seiner Kinder. Außerdem flirtete er mit den 'Revolutionären' der jungen Sowjetunion, denen er Traktoren verkaufte. Später, im Krieg, verriet Fiat den Amerikanern, welche Panzer man aus Turin an Hitler-Deutschland liefern musste, und der Enkel Giovanni engagierte sich als Soldat an der Seite der Amerikaner. Doch in den frühen fünfziger Jahren erkaltete die transatlantische Liebe rasch. Während des Korea-Kriegs geriet die Turiner Autofabrik ins Visier der USA. Fiat sei ein Bollwerk der Kommunisten, erklärten sie, und verlangten die Entlassung aller in Linksparteien eingeschriebenen Arbeiter, sonst könne Italien nicht mehr mit Militäraufträgen aus den USA rechnen. Doch sie konnten ihre Vorstellungen genauso wenig durchsetzen wie Antonio Gramsci, der Gründer der kommunistischen Partei, der in Fiat die Keimzelle eines sozialistischen Italien sah.

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