Fat City

Fat City

Exboxer Billy Tully ist, obwohl noch keine 30, ein Wrack. Narben im Gesicht zeugen von harten Kämpfen, sein Haar lichtet sich. Die Ehefrau hat ihn längst verlassen, Freunde hat er keine. - Dieses Wrack war einmal auf der Siegerstrasse unterwegs gewesen und brachte seine Gegner reihenweise zu Fall. Jetzt hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und rackert sich als Erntehelfer ab. Am Abend dann ertrinkt er seinen Kummer in einer Bar, immer die fixe Idee vor Augen, am kommenden Tag das Training wieder aufzunehmen. Dann stösst Tully auf Ernie Munger , eine Art Wiedergänger seiner selbst. Der junge Mann ist gerade einmal 18 Jahre alt und boxt in einer Weise, dass ihm die alten Haudegen im Trainingsraum eine profitable Sportlerkarriere prophezeien. Von Ernie lässt Tully sich noch einmal elektrisieren und ist plötzlich fest zur Rückkehr in den Ring entschlossen. - Zunächst sticht bei «Fat City» natürlich der erschütternde Kontrast zwischen Aufsteiger Ernie und Absteiger Tully ins Auge. Gleichzeitig ist «Fat City» eine Innenschau, ein verstohlener Blick in eine dem Publikum fremd gewordene Welt. Gleich zu Beginn des Films schweift die Kamera durch die staubigen Strassen von Stockton, zeigt menschliche Ruinen, bemitleidenswerte Modernisierungsverlierer. Und so gelingt Regisseur John Huston (1906 bis 1987), eigentlich ein Gardist des alten Hollywood, eine grandiose Sozialstudie im Stile des New-Hollywood-Kinos, in der das Porträt des Mittleren Westens gezeichnet wird, der sich, im heraufziehenden Zeitalter der postindustriellen Wirtschaft, selber abhanden kommt.

Bald im TV

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