Erfolg und Eigensinn
Was für ein Leben! Zu seinem 100. Geburtstag am 1. August widmet ARTE dem Berliner Filmproduzenten Artur "Atze" Brauner einen ganzen Abend. Als er geboren wurde, zur Zeit des Ersten Weltkriegs, waren Filme noch kurze Unterhaltungsschnipsel. Niemand konnte sich vorstellen, welche Wirkung und Formenvielfalt das Kino einmal entfalten sollte. Doch als junger Mann hatte Artur Brauner ganz hatte andere Sorgen, es ging ums nackte Überleben.
Denn als Jude musste er aus dem von der Wehrmacht besetzten Polen fliehen und überstand Weltkrieg und Holocaust unerkannt in der Sowjetunion. Im Gegensatz zu seinen Eltern entschloss er sich, in West-Berlin eine neue Existenz zu gründen, als Filmproduzent. Seine Firma CCC Film war in der Zeit des Kalten Kriegs ein Hoffnungsanker in der Frontstadt. Im Gegensatz zu vielen anderen gab er nicht auf, sondern produzierte unaufhörlich.
Hunderte von Filmen aller Genres entstanden, Krimis, Schlagerfilme, Romanzen, Heimatfilme, Erotisches und Grusliges und der eine oder andere Karl May-Film - nicht alles Perlen der Filmkunst.
Aber das Thema Krieg und Holocaust ließ ihn nicht los und mit einer ganzen Reihe von Filmen hat er Filmgeschichte geschrieben. Denn außer seinen Filmen "Morituri" (1948), "Der 20. Juli" (1955), "Mensch und Bestie" (1963), "Sie sind frei, Dr. Korczak" (1974) gab es in Westdeutschland - so unglaublich es heute erscheint - fast keine Filme, die sich mit diesen Themen auseinandersetzten.
Der Abend stellt mit dem Golden Globe-Gewinner "Hitlerjunge Salomon" (1990) und dem B-Movie "Sie tötete in Ekstase" die Spannweite des Brauner'schen Schaffens vor.
Die Dokumentation "Der Unerschrockene - Der Berliner Filmproduzent Artur Brauner" belegt anhand zahlreicher Filmausschnitte und mit Experten wie dem Filmkritiker Hans-Georg Rodeck und der Direktorin des Deutschen Filmmuseums Claudia Dillmann die Bedeutung von Artur Brauners Lebenswerk.