Eldorado

Eldorado

RoadmovieB / A / D / I  

Es ist Winter, die Schweiz ist das neutrale Land inmitten des Zweiten Weltkriegs, und Markus Imhoofs Mutter wählt am Güterbahnhof ein italienisches Flüchtlingskind aus, um es aufzupäppeln. Das Mädchen heisst Giovanna - und verändert den Blick, mit dem der kleine Markus die Welt sieht.

70 Jahre später kommen wieder Fremde nach Europa. Der Regisseur Markus Imhoof hat Giovanna nie vergessen, hat ihre Spuren verfolgt und in ihrem Land gelebt. Nun geht er an Bord eines Schiffes der italienischen Marine, es ist die Operation «Mare Nostrum», in deren Verlauf mehr als 100'000 Menschen aus dem Mittelmeer gezogen werden. Mit den Augen des Kindes, das er damals war, spürt er den Fragen nach, die ihn seit jeher umtreiben.

Imhoof hat nicht nur auf italienischen Schiffen gedreht, er folgt den Flüchtenden nach ihrer Ankunft in Italien weiter in ein Auffanglager und in ein mafiöses Ghetto, in dem die Menschen durch Schwarzarbeit und Prostitution zu überleben versuchen. Die Route der Flüchtenden führt über den Zoll in Chiasso. Bei der Kontrolle einer Familie durch Grenzbeamte macht ein kleines Mädchen, am Ende seiner Kräfte, seiner Verzweiflung Luft. Die Familie muss wieder zurück nach Italien. Der Film zeigt auch auf, was viele Flüchtende in der Schweiz erwartet.

Neben Flüchtenden aus Kriegsgebieten ist auch für viele junge Migranten aus Afrika Europa der letzte Hafen für eine mögliche Zukunft. Denn das Thema Migration ist nicht ohne das Thema Geld zu erzählen. Die Tomatenproduktion im Süden Italiens basiert auf der Ausbeutung der Flüchtenden. Sie ernten die Tomaten unter widrigsten Umständen, sind unterbezahlt und haben keinerlei Rechte. Die Bauern bekommen Subventionen und die Tomaten werden danach in der EU verkauft. Tomatenbüchsen aus Italien werden nach Afrika exportiert. Das Europäischen Handelsabkommen mit Afrika für den zollfreien Import unserer Agrarprodukte verzerrt die Spielregeln: Afrikanische Bauern können mit unseren subventionierten Produkten nicht mithalten und müssen die importierten europäischen Produkte mit dem Geld bezahlen, das ihnen ihre Angehörigen aus Italien zugeschickt haben.

Der Regisseur Markus Imhoof hat die Flüchtlingsproblematik bereits in seinem oscarnominierten Spielfilm «Das Boot ist voll» aus dem Jahre 1980 aufgegriffen. Fast 40 Jahre später wird in der Schweiz wieder vom «vollen Boot» gesprochen. Wieder ist es Markus Imhoof, der sich mit dem Thema auseinandersetzt. Entstanden ist ein sehr persönlicher und tiefgründiger Beitrag über die globale und gesellschaftliche Humanitätskrise.

Bewertung

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