Eine Fähre für den Kongo

Eine Fähre für den Kongo

AuslandsdokuD  

Der Lowa ist ein Nebenfluss des Kongos. Jeglicher Güter-, Personen- und Fahrzeugtransport über diesen Fluss im Urwald Zentralafrikas geschieht per Einbaum. Im Ort Yumbi gab es bis in die 60er Jahre eine Straße und eine Autofähre über den Lowa. Ein deutscher Söldner jagte sie auf der Flucht vor UNO-Truppen in die Luft. Seitdem ist kein Auto mehr auf die andere Seite gekommen, und die Straße ist längst verfallen. Ein Straßenbauprojekt der Welthungerhilfe hat zum Ziel, diese wichtige Überlandverbindung wiederherzustellen. Dazu gehört auch eine neue Fähre. Noch verkehren über den Fluss nur die einheimischen Pirogen wie seit Hunderten von Jahren. 20 Minuten benötigen sie pro Strecke, je nach Strömung manchmal mehr. 500 Kongolesische Franc kostet die Überfahrt pro Passagier, das entspricht fast einem halben Euro; viel Geld in einem Land, in dem das durchschnittliche Jahreseinkommen 80 Euro beträgt. Auch die Lastentransporteure, die ihre bis zu 200 Kilogramm schweren Ladungen per Fahrrad befördern, müssen über den Lowa. Sie schieben ihre Lasten über Hunderte von Kilometern, in glühender Hitze und tropischem Regen. Für viele ist das die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen. Aber ihre Arbeit wird man vermutlich nicht mehr brauchen, wenn die Fähre in Betrieb geht und Lastwagen die Gegend mit Waren versorgen können. Die Lowa-Fähre soll in Einzelteilen mit einem Frachtschiff von Kinshasa aus, den Kongo-Fluss hinauf transportiert werden. Doch dieser Frachter ist überfällig. Georg Dörken, Länderbeauftragter der Welthungerhilfe für den Kongo, chartert ein rostiges Boot und macht sich flussabwärts auf die Suche. Diese Fahrt ist das reine Abenteuer. Bis heute ist die Demokratische Republik Kongo ein unruhiges Land. Bis 1960 gab es hier die Infrastruktur eines modernen Staates, die aber seitdem planmäßig vernachlässigt wurde und zerfiel. Das Land besitzt gewaltige natürliche Reichtümer, ist aber bitterarm, weil von der Ausbeutung der Bodenschätze nur die Nachbarn und Fremdfirmen profitieren. Seit Jahrzehnten werden genau deswegen immer aufs Neue Unruhen geschürt. Doch es bleibt die Hoffnung, dass sich durch den Betrieb der Fähre wieder Handelswege öffnen, die den Menschen ein besseres und sichereres Leben ermöglichen.

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