Ein Engel an meiner Tafel

Ein Engel an meiner Tafel

BiografieNZ / AUS / GB  

Das Leben meint es nicht gut mit der kleinen Janet Frame. In der Schule ist sie eine Außenseiterin, zu Hause herrscht Armut in der vielköpfigen Familie. Der Bruder leidet an epileptischen Anfällen, die älteste Schwester stirbt bei einem Badeunfall. Schon früh schafft sich der pummelige Rotschopf eine Gegenwelt der Märchen, und dieser zauberischen Fantasie verdankt Janet ihr Überleben. Hierhin wird sie sich flüchten, wenn sie später in Panik das Lehrerstudium abbrechen wird und nach einem Selbstmordversuch die Einweisung in eine Nervenklinik erfolgt. Nach acht Jahren der Angst und Qual wird sie entlassen und lernt während eines Literaturstipendiums Europa kennen. Nach dem Tod ihres Vaters kehrt sie nach Neuseeland zurück und wird zur berühmtesten Schriftstellerin ihres Heimatlandes. Jane Campion schildert den schmerzhaften Weg des Erwachsenwerdens einer Frau, die sich schon früh als Außenseiterin begreift. Fremd im Alltag und vermeintlich hässlich, entwickelt Janet schon früh einen besonderen Blick auf die Welt. Diesen Blick darstellbar zu machen, die Wahrnehmung der kindlichen Fantasie über die Kamera sichtbar werden zu lassen, gelingt Jane Campion mit scheinbar einfachsten Mitteln. Behutsam reiht sie die kleinen Tragödien einer schwierigen Kindheit aneinander, immer auch mit dem Blick für die absurde Komik, die sich in den kleinen Szenen des Alltags verbirgt. Kein verzweifelter Schrei nach Freiheit wird laut, aber der Wunsch durchdringt spürbar Lebensabschnitt für Lebensabschnitt, bis der Weg über die Literatur freigekämpft ist.

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