Druckfrisch

Druckfrisch

LiteraturmagazinD  

In Schweden spricht Denis Scheck mit dem großen Erzähler und Dramatiker Per Olov Enquist über dessen Dokumentarroman 'Die Ausgelieferten', der vom Schicksal baltischer NS-Kollaborateure erzählt, die zusammen mit den Deutschen 1946 von Schweden an die Sowjetunion ausgeliefert worden waren. Ein Buch, das lange vergriffen war, und das jetzt als Neuauflage erschienen ist. Bereits 1968 war dieser Roman veröffentlicht worden und hatte damals Enquist international bekannt gemacht. Das Buch ist eine Anklage, die das Selbstbild Schwedens als sozialdemokratisches 'Volksheim' gewaltig erschütterte. Per Olov Enquist war damals 34 Jahre alt und hatte sich schon einen Namen gemacht als Literaturkritiker, später wurde er Fernsehjournalist, arbeitete als Reporter, wurde Literaturprofessor. Oft sind die Helden seiner Romane, Dramen und Filme Randfiguren, Querläufer der Geschichte - Anti-Helden. In manchen Büchern, am direktesten vielleicht im Roman von 'Kapitän Nemos Bibliothek', hat Enquist diese Geschichten enggeführt mit der eigenen Biographie, mit der von körperlichen und seelischen Ängsten verwüsteten Kindheit im religiös repressiven, einsamen Nordschweden und den Folgen dieser Erfahrungen. In 'Druckfrisch' spricht Enquist mit Denis Scheck nicht nur über das neue Buch, sondern auch über sein bewegtes Leben. Wie jeder einzelne Bundesbürger öffentliche Schulden tilgen könnte, darüber unterhält sich Denis Scheck mit dem deutschen Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch. Der machte unlängst von sich reden, als er über freiwillige Leistungen der Bundesbürger sinnierte, an der Aktion 'Hurra, wir tilgen' teilnahm und zum Geld einsammeln aufrief, um Staatsschulden zu senken. Jochen Hörisch selbst schenkte dem Staat 10.000 Euro. In seinem neuen Buch geht es konsequenterweise um die Praxis von 'Tauschen, sprechen, begehren', so auch der Titel.

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