Dienst auf Droge - Erfolg um jeden Preis
Stress im Beruf, Druck am Arbeitsplatz: Immer mehr Arbeitnehmer greifen zu Pillen, um ihren Arbeitsalltag zu bewältigen. Der Fehlzeitenreport der AOK zeigt: In den vergangen zwölf Monaten haben fünf Prozent der Arbeitnehmer leistungssteigernde Medikamente bei der Arbeit genommen. Bei den unter 30-Jährigen sogar jeder Zwölfte. Noch nie war die Bereitschaft, stimulierende Mittel wegen hoher Arbeitsbelastung zu nehmen, so hoch, warnen die Krankenkassen.
Zittern am ganzen Körper, nachts nicht mehr einschlafen können: Stefan Barth kennt die fatalen Folgen der Sucht. Zehn, zwölf, vierzehn Stunden lang sind seine Arbeitstage. Als Pfleger auf einer Intensivstation ist er nachts allein mit 40 Patienten. Tagsüber ist er Familienvater. Die Familie baut ein Haus, die Schulden drücken: 'Meine Kräfte waren am Verschwinden. Ich hatte keine Wahl.' Keine Wahl zum Aufputschmittel. 'Ich dachte, es ist meine Rettung und das war der Fehler meines Lebens.' Barth nimmt Tilidin. Ein Schmerzmedikament mit fataler Wirkung. Barth fühlt sich wach, konzentriert, euphorisch. Er wird süchtig. Bis der Zusammenbruch kommt. Er wird depressiv. Die Ehe zerbricht.
'Das ist ein Beispiel von vielen', ist der Pflegewissenschaftler und langjährige Krankenpfleger Thomas Weijers überzeugt. 'Missbrauch im Krankenhaus ist Alltag', sagt er und stützt sich auf Befragungen unter Pflegepersonal bundesweit. Eine Studie der Universität Salzburg beweist: Mehr als jeder zweite Pfleger in Deutschland hat bereits einmal zu Suchtmitteln gegriffen.
Und nicht nur Pfleger sind betroffen, sagt Chefärztin Dr. Cornelia Ulrich am Salus-Klinikum Uchtspringe. Medikamentendoping zur Leistungssteigerung ziehe sich durch alle Schichten der Gesellschaft: 'In meiner Therapie sitzen Schichtarbeiter neben Lehrern und Polizisten'. Viele Hausärzte erkennen das Problem offenbar nicht. 'Der Arzt wird zum Dealer', berichten Therapeuten und Suchtexperten.
Welche Folgen kann der Missbrauch der Suchtmittel haben? Ist die künstliche Leistungssteigerung Antwort auf zunehmenden Leistungsdruck? Und wie leicht ist der Zugang zu Aufputschmitteln und Psychopharmaka? Die Filmautorin Nadja Storz fragt nach.