Die Sorben

Die Sorben

Film vom Ernst-Michael Brandt Der glückbringende Drache Plon ist nur eine der vielen sorbischen Sagengestalten, genauso wie der Schlangenkönig und der Zauberer Krabat, der seine Künste zum Nutzen der Menschen oder zum Schabernack einsetzt. Erzählt werden diese Geschichten noch heute in der Lausitz, dem Lebensraum der letzten 60.000 Sorben. Einst gründeten sie Leipzig, Meißen oder Grimma. Heute gelten sie neben Friesen und Dänen als nationale Minderheit in Deutschland, haben eine offiziell anerkannte Flagge, eine eigene Hymne und wunderschöne Bräuche. Immer wieder versuchten die Sorben vergeblich, einen eigenen Staat zu gründen oder wenigstens in ihren letzten Siedlungsgebieten um Bautzen und Cottbus eine gewisse Unabhängigkeit zu erhalten: Unter dem letzten sächsischen König versuchte man sie zu germanisieren. Die Nationalsozialisten wollten sie für ihre Herrenmenschen-Ideologie gewinnen, doch als das nicht gelang, verboten sie alle sorbischen Organisationen und den Gebrauch der Sprache in der Öffentlichkeit. Es war vor allem die Kirchenfeindlichkeit der Nazis, die viele abstieß, so auch Alois Andritzki, geboren 1914 in Radibor, im Dom zu Bautzen zum Priester geweiht. Der engagierte Jugendseelsorger weigerte sich, das sorbische Sprach- und Predigtverbot zu befolgen. Als Kaplan an der Dresdner Hofkirche prangerte er die Verfolgung von Geistlichen und Gläubigen durch die Nationalsozialisten an und kritisierte die Schriften der NS-Ideologen. Er wird verhaftet und schließlich ins KZ Dachau verbracht. Dort wird er 1943 ermordet. Zu Pfingsten 2011 wird er, als erster Sorbe und Sachse, in Dresden selig gesprochen. Die DDR förderte - nach einigem Zögern - die slawische Minderheit: Ein eigenes Nationalensemble entstand, das sorbische Theater erhielt Unterstützung, doch wirklich trauten die Funktionäre den stark im christlichen Glauben verwurzelten Sorben nie. Heute, in der globalisierten Welt, sind es ganz andere Probleme, die den Sorben zu schaffen machen: der Verlust von Heimat durch der Abbaggerung von Dörfern, die auf Braunkohleflözen stehen. Der Film erzählt von der wechselhaften Geschichte des kleinen slawischen Volks am Beispiel einer Familie auf dem Dorf, in der Sprache und Gebräuche über die Generationen lebendig geblieben sind. Und die doch gleichzeitig eine ganz normale sächsische Familie ist: mit den Freuden und Problemen des Alltags in der Bundesrepublik.

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