Die schöne Helena

Die schöne Helena

OperetteDeutschland  

Offenbachs Opéra bouffe löste bei der Uraufführung 1864 in Paris einen gehörigen Skandal aus, weil die Darstellerin der Hélène in frivolem Kostüm auftrat. Unter dem Deckmantel der Parodie konnte Offenbach zahlreiche erotische Anspielungen und freizügige Darstellungen in seine Operetten einbauen, die ansonsten von der Zensur nicht erlaubt worden wären. "La Belle Hélène" nimmt als Satire auf das Spießbürgertum die gesellschaftliche Borniertheit aufs Korn.

Das franko-kanadische Produktionsteam AndréBarbe und Renaud Doucet verlegt die Handlung von Offenbachs Opéra bouffe in die späten 1960er Jahre und präsentiert eine fantasievolle, opulente und witzige Ausstattung. Die Inszenierung spielt an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Ein kleinbürgerliches Paar, Hélène und Ménélas, verbringt dort seine Ferien. Doch der Ehemann zeigt weit mehr Interesse am Kauf kitschiger pseudoantiker Statuen als an seiner Frau. Als ihr daraufhin eine Gipsstatue von Adonis auf den Kopf fällt, träumt sie, sie sei die schöne Helena, die verführerischste Frau der Antike. Ein Traum jedoch, in dem spießige Rituale an Bord des Kreuzfahrtschiffs durch rauschenden Flower Power aufgemischt werden: ein amüsantes Feuerwerk der Intrigen.

Dabei setzen Barbe und Doucet auf Tempo und Präzision und präsentieren eine großartige Show mit vielen getanzten Elementen. Für die Titelpartie gelang Offenbach seinerzeit ein besonderer Coup: Er gewann die Diva Hortense Schneider, die eigentlich schon mit dem Theater abgeschlossen hatte, für die Bühne zurück und schenkte ihr in der Rolle der selbstironischen, ebenso frustrierten wie sinnlichen Dame einen Triumph. Seitdem gilt "La Belle Hélène" als Paradestück für große Sängerinnen.

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