Die Mode im Impressionismus
Vom Ende des zweiten französischen Kaiserreichs bis zu Beginn der Dritten Republik bemühte sich die Bildende Kunst um Ausdrucksmöglichkeiten für die tiefgreifenden Veränderungen jener Zeit und war Spiegel einer Epoche der gesellschaftlichen und industriellen Umwälzungen. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist in Europa durch den Siegeszug des Bürgertums gekennzeichnet. Unter Napoleon III. und mit zunehmender Bedeutung der Börsenmärkte entsteht bei zahllosen Neureichen, Bankiers und Industriellen das Bedürfnis, Reichtum und Erfolg zur Schau zu stellen. Die damalige Mode schrieb vor, dass eine Frau von Welt, die etwas auf sich hielt, sieben bis acht unterschiedliche Garderoben besitzen müsse, die sie den Anlässen entsprechend über den Tag wechselte: einen Morgenmantel nach dem Aufstehen, eine Reitgarderobe für den Ausritt, eine Stadtgarderobe für den Spaziergang zu Fuß, eine Besuchsgarderobe für die Fahrt im Wagen, eine Dinnergarderobe, eine Abendgarderobe für den Besuch im Theater oder in der Oper und selbstverständlich ein Ballkleid. Damals hieß es, dass es einer Vollzeitbeschäftigung gleichkomme, Pariserin zu sein. Luxus und Frivolität wurden zu weiblichen Privilegien. Der Mann trug seinen Reichtum nun an der Frau zur Schau. Die Bekleidungssymbolik wurde doppeldeutig. Während die Bekleidung auch weiterhin die Klassenunterschiede sichtbar machte, schuf sie im 19. Jahrhundert einen noch tieferen Gegensatz zwischen Mann und Frau. Als unschätzbare Quelle für das Studium der Bekleidung in dieser Epoche geben die Werke der Impressionisten Zeugnis von der Fülle weiblicher Garderoben, die im Laufe der Jahre immer neue Gestalt annehmen. Die Malerei betrachtet die Welt, und die Welt betrachtet die Malerei. Jenseits aller formalen Unterschiede und theoretischen Gegensätze, die innerhalb der Kunstrichtung existierten, verfolgten die Impressionisten alle nur ein Ziel: eine Kunst der Moderne zu schaffen.