Die Kammer der Toten
Zwei Männer sind nachts in einem Auto unterwegs. Der Fahrer will die Technik herausfordern und beschleunigt massiv. Er jagt durch das verlassene Hafenviertel, doch plötzlich steht ein Mann mitten auf der Strasse. Vigo (Jonathan Zaccaï) erwischt ihn frontal, der Unbekannte bleibt tot liegen. Neben der Leiche finden die beiden arbeitslosen Kumpel einen Koffer mit zwei Millionen Euro. Handelt es sich beim Unfallopfer um einen Bankräuber? Einen Drogendealer? Den beiden ist dies egal, bloss die Polizei nicht einschalten, um nicht in noch mehr Schwierigkeiten zu geraten. Das Geld können Sylvain (Gilles Lellouche) und Vigo sowieso gut gebrauchen. Sie lassen die Leiche verschwinden und vergraben das Geld, um die Polizei nicht auf ihre Spur zu bringen. Als Vigo an Weihnachten zu Hause seinen Bruder trifft, der bei der Gendarmerie arbeitet, erfährt er, dass der Tote, den er und Sylvain auf dem Gewissen haben, mit dem Geld seine entführte Tochter freikaufen wollte. In einem nahen Hangar wurde die zwölfjährige Lucie schliesslich stranguliert aufgefunden. Was Vigo aber mehr beunruhigt: Lucies Mörder hat den Unfall beobachtet. Dann verschwindet erneut ein Mädchen, und für die mit dem Fall beauftragte junge Polizistin (Mélanie Laurent), selbst Mutter von zwei kleinen Töchtern, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Regisseur Alfred Lot hat für sein Debüt den gleichnamigen Kriminalroman von Franck Thilliez adaptiert. Wie dieser legte Lot grossen Wert auf die Figurenzeichnung. Das erlaubte es ihm, das Steuer nach der Eingangssequenz herumzureissen und in eine andere Richtung zu gehen, ohne die beiden Kofferdiebe aus den Augen zu verlieren. Für einiges, das bei Thilliez nur angedeutet oder sogar offen gelassen wird, musste Lot Bilder finden. Dafür hat er sich intensiv mit der Kriminalgeschichte auseinandergesetzt und diese im Geist seines Erfinders erweitert, worauf ihm das uneingeschränkte Lob des Autors zuteil wurde - eine große Rarität in diesem Genre.