
Die Haselnuss-Kinder - Zum Hungerlohn ins türkische Hochland
Es ist noch dunkel, wenn sich die 11-jährige Badegül und der 9-jährige Ayden die Hänge in der riesigen Haselnussplantage am Schwarzen Meer hoch quälen. Zehn Stunden täglich schuften die beiden in den dichten Büschen für einen Lohn von umgerechnet 15 Euro am Tag. Spät abends sinken sie völlig erschöpft in ihrer Massenunterkunft am Rande eines Flusses auf den Boden, wenn nicht der Regen das provisorische Zeltlager einfach wegschwemmt. Wie das sein kann in einem Land, in dem Kinderarbeit offiziell verboten ist und das der EU beitreten will, wollen die beiden Autorinnen Rebecca Gudisch und Gönke Harms wissen. Sie sprechen mit den verantwortlichen Bauern, Zwischenhändlern, Exporteuren und Politikern. Alle kennen das Problem, aber keiner bekommt es in der Griff - ebenso wenig die deutschen Abnehmerfirmen wie zum Beispiel Ferrero, die am Ende der Lieferketten stehen und die das Problem seit geraumer Zeit kennen.
Haselnüsse sind ein heiß umkämpfter Rohstoff. Sie stecken in Schokolade, Nougat-Cremes oder Eis. Und Deutschland ist weltweit der größte Abnehmer.
Dreiviertel aller Haselnüsse kommen aus einer einzigen Region in der Türkei: die Region um Ordu am Schwarzen Meer. Über 600.000 t jedes Jahr. Die Verlierer im Preiskampf sind die Bauern und die kurdischen Wanderarbeiter. Jedes Jahr reisen 100.000 Familien vom Süden an die Schwarzmeerküste, um dort auf den Haselnussfeldern zu arbeiten. Damit die Arbeit sich überhaupt lohnt, muss die ganze Familie mithelfen.
Eine eindringliche Reportage von Rebecca Gudisch und Gönke Harms.