Die Großherzogin von Gerolstein
Gerolstein, ein kleines, aber kühnes Großherzogtum, erklärt dem Nachbarstaat den Krieg und das aus einem einzigen Grund: Die kapriziöse Regentin langweilt sich und muss von den Regierungsgeschäften fern gehalten werden. Von ihren intriganten Ministern wird ihr als zweite Ablenkungsstrategie zudem eine politisch opportune Heirat anempfohlen. Sie jedoch verliebt sich außerplanmäßig in den einfachen Soldaten Fritz, den sie flugs zum Gefreiten, Korporal, Fähnrich und Hauptmann ernennt und schließlich als befehlshabenden General mit Adelstitel in den Krieg schickt. Doch allen Avancen zum Trotz erhört Fritz die Großherzogin nicht, sondern fühlt sich seiner Jugendliebe Wanda verpflichtet. Rasend vor Eifersucht schließt sich die Regentin einem Mordkomplott ihrer Minister an: Der Emporkömmling soll sterben! Er überlebt, und sie muss eine bittere Erfahrung machen: 'Wenn man nicht kriegt, was man liebt, dann muss man lieben, was man kriegt.' Das Second Empire stand im Uraufführungsjahr 1867 bereits kurz vor seinem Untergang. Doch die Bürger Frankreichs verdrängten den Ernst der Lage und besuchten massenhaft das Theater. 'Das Publikum liebt die Kunst, daran ist nicht zu zweifeln, aber es liebt die heitere Kunst. Es soll sie haben', meinte Jacques Offenbach und hielt seinen Zeitgenossen den Spiegel vor, indem er in 'La Grande-Duchesse de Gérolstein' die europäischen Zustände mit aufgeblasenen Machthabern, säbelrasselndem Militär und degenerierten Aristokraten aufs Schärfste karikierte. 2010 wurde der große Entwurf eines kleinen Reiches von Christoph Marthaler in Szene gesetzt, dem Schweizer Meister des skurrilen Witzes. Die Partie der Grande-Duchesse singt Anne Sofie von Otter, die musikalische Leitung hat Hervé Niquet. Im Anschluss um 22.25 Uhr zeigt 3sat die Dokumentation 'Jacques Offenbach in Bad Ems'.