Die Frau, die im Wald verschwand

Die Frau, die im Wald verschwand

Deutschland, Mitte der 50er Jahre. Dr. Gerd Vorweg, Oberbürgermeister einer Kreisstadt, kann mit seinem Leben rundum zufrieden sein. Einige Jahre nach Kriegsende hat er seiner Stadt durch die Ansiedlung eines großen Textilbetriebes wieder zu Aufschwung und Wohlstand verholfen. Unter den Einwohnern ist er beliebt und führt zusammen mit seiner Gattin Katharina eine Vorzeigeehe. Als Katharina plötzlich spurlos verschwindet, wird diese Idylle jäh zerstört. Alle Indizien sprechen dafür, dass Katharina bei der Detonation einer Fliegerbombe im sogenannten 'Knochenwald', einem von Minen und Blindgängern übersäten Sperrgebiet, ums Leben gekommen ist. Überreste von ihr werden jedoch nicht gefunden. Dem verstörten Vorweg ist das Verschwinden seiner Frau völlig unbegreiflich. Eines Nachts taucht mit Horst Karg ein Freund aus Kriegstagen überraschend in Vorwegs Haus auf. Der Oberbürgermeister wird mit Geschehnissen aus der Vergangenheit konfrontiert, die er bisher verdrängt hat. Als Militärarzt hatte Vorweg seinen Freund nach dessen Verwundung im Krieg behandelt. Aus dieser Zeit hat Karg noch eine Rechnung mit ihm offen. Er macht Vorweg dafür verantwortlich, dass er körperlich nur halbwegs wiederhergestellt, doch seelisch zutiefst angeschlagen zurück an die Front musste. In der Auseinandersetzung der beiden Männer kommt das Geschehen der letzten fünf Monate langsam ans Licht. Dabei brechen die Wunden der Vergangenheit auf. Es zeigt sich, dass in der äußerlich so heilen Welt von Gerd Vorweg nichts so ist, wie es scheint. In Rückblenden wird nun die Geschichte bis zum Verschwinden Katharinas im Wald erzählt: Karg ist nach dem Krieg französischer Staatsbürger geworden. Von seinen Kriegserlebnissen traumatisiert, hat er in der Nachkriegsrealität nicht wieder Fuß fassen können. Als er zufällig in einer deutschen Zeitung ein Bild des erfolgreichen Bürgermeisters sieht, beschließt er, in die kleine süddeutsche Kreisstadt zu fahren. Aus anfänglicher Neugier wird Neid auf den Aufsteiger. Karg beginnt ein Verhältnis mit Katharina, die das Wohlstandsleben als Bürgermeistergattin nur äußerlich mitmacht, innerlich aber wie Karg an der Verdrängungsmentalität der Gegenwart und den Schmerzen leidet, die ihr im Krieg zugefügt wurden: Nachdem sie mit hatte ansehen müssen, wie ihre Eltern im eigenen Gutshof verbrannten, war sie in ein Lager verbracht und dort schwer misshandelt worden. Aus diesem Lager hat sie Vorweg nach Kriegsende befreit und geheiratet. Doch für die Aufarbeitung der erlebten Schrecken ist an der Seite ihres aufstrebenden Ehemannes kein Platz. Und auch moralische Skrupel bezüglich seiner Karriere im Wirtschaftswunder-Deutschland gibt es kaum. Um den politisch wie privat überlebenswichtigen Zuschlag für die Ansiedlung des Textilbetriebs in seiner Stadt zu erhalten, legt Vorweg seiner Frau nahe, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Rohleder nötigenfalls auch sexuell zu Diensten zu sein. Und Katharina beugt sich diesem Ansinnen. Als Horst Karg in ihr Leben tritt, erkennen sich die beiden sofort als vom Krieg gleichermaßen gezeichnete Leidensgenossen und stürzen sich in eine stürmische Affäre. Katharina hofft, sich mit Horsts Hilfe aus dem 'goldenen Käfig' ihrer Ehe befreien zu können, ohne dabei ihrem Mann, dem sie sich in Dankbarkeit verpflichtet fühlt, Schaden zuzufügen. Zusammen mit Karg inszeniert sie deshalb den Unfall im Mienensperrgebiet. Er soll ihr die Möglichkeit zur Flucht geben, ohne das Image ihres Mannes in der Öffentlichkeit zu gefährden. Doch im letzten Moment erkennt sie, dass Karg sie eigentlich nur benutzt, um Gerd Vorweg zu vernichten. Sie ergreift die Gelegenheit, sich von beiden Männern zu lösen und ihren eigenen Weg in die Freiheit zu gehen.

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