Der Wolfsjunge

Der Wolfsjunge

1798 entdecken Bauern in den Wäldern der französischen Provinz einen nackten Jungen (Jean-Pierre Cargol), dem alle Merkmale zivilisierter Menschen abgehen. Er bewegt sich auf allen Vieren, ist stumm und hatte offensichtlich nie näheren Kontakt zu anderen Menschen. Das als «Wolfsjunge» bekannte Kind erhält den Namen Victor und sein Fall macht als wissenschaftliche Sensation schnell die Runde. Später kommt er unter die Fittiche des aufgeklärten Dr. Jean Itard (François Truffaut). Der Gelehrte glaubt fest an die Entwicklungsfähigkeit des jungen Menschen und daran, dass es möglich ist, ihn in die Gesellschaft zu integrieren. Andere, weniger optimistische Geister, halten das für ein schier unmögliches Unterfangen.
Regisseur Truffaut, der das Drehbuch zum Film nach den Tagebucheinträgen von Dr. Jean Itard verfasste, ging es massgeblich um die Problematik des Aussenseitertums und die Schwierigkeit einen Menschen in die Gesellschaft zu integrieren, der aufgrund seiner Vergangenheit eigene, für einen «zivilisierten Menschen» untypische, Verhaltensweisen entwickelt hat. Letztendlich stellt sich die Frage, ob denn eine allen ethischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen gerecht werdende Definition des Begriffs «Mensch» existiert. Und wenn ja, solche Definitionen nicht immer anmassend sind und geradewegs auf das Ende jeder Individualität hindeuten. SRF1 zeigt «Der Wolfsjunge» im Gedenken an Autorenfilmer François Truffaut, der am 21. Oktober 2014 vor genau 30 Jahren verstorben ist.

Bewertung

0,0   0 Stimmen