Der letzte Mann
Mit 'Der letzte Mann' inszenierte Harald Braun (1901 - 1960), d e r Star unter den deutschen Regisseuren der frühen Nachkriegszeit, ein freies Remake des gleichnamigen Stummfilmklassikers von Friedrich Wilhelm Murnau (1924). In der Titelrolle bewies der einstige Teufelskerl des Ufa-Films Hans Albers erstaunliche Qualitäten als Charakterdarsteller. Der alternde Hans Albers (1891 - 1960), an dessen heutigen 45. Todestag das MDR FERNSEHEN erinnern will, und die blutjunge Romy Schneider, der spätere Weltstar, harmonieren bestens miteinander - die Vergangenheit und die Zukunft des Films gemeinsam vor der Kamera. Hans Albers war einer der wenigen großen deutschen Volksschauspieler, eine Mischung aus Jean Gabin und Maurice Chevalier, mit einer unmittelbaren physischen Präsenz und jener unverwechselbaren brüchigen Heiserkeit in der Stimme, die ihn gleichermaßen zum Liebling der Theatergänger wie zum Tonfilmstar prädestinierten. Fritz Kortner beschrieb ihn als 'ein urwüchsiges, um seine saftigen Wirkungen ungestüm bemühtes und nicht gerade partnerliebendes Mannesstück ...'. Oder, wie Siegfried Kracauer urteilte: 'Dieser menschliche Dynamo mit dem goldenen Herzen verkörperte im Film, was jeder im Leben gern gewesen wäre'. Albers war Bösewicht, Verführer, Detektiv, Möbelpacker, Kapitän, Hafenpolizist, Ingenieur, Clown und Flieger - bis er nach dem Krieg unmerklich ins Charakterfach wechselte und folgerichtig seine erste Nachkriegsrolle als Familienvater in einem Trümmerfilm spielte. Das Geheimnis seines Erfolges als Volksschauspieler lag aber wohl im Geheimnis seiner Person. Jenseits der Rollengestalt schien er jederzeit über die Freiheit zu verfügen, seine Männlichkeit mit einem Glas in der Hand und dem entsprechenden Lied feiern zu können.