Der "Kini" der Herzen

Der "Kini" der Herzen

DokumentationD  

König Ludwig II., der "Kini", ist als der "Märchenkönig" in die Geschichte eingegangen, und das, obwohl er ein zeitlebens kreuzunglücklicher Mensch war und voller Widersprüche steckte.
Politisch auf der ganzen Linie gescheitert, zog er sich schon früh aus der Öffentlichkeit zurück und vermied bis zu seinem mysteriösen Tod den Umgang mit Menschen. Trotzdem wurde er posthum zum bekanntesten und populärsten Herrscher Bayerns, ja Deutschlands.
Offenbar bringt er eine besondere Seite in den Menschen zum Klingen. Seine Schlösser - meist abgelegen und abseits der großen Touristenrouten - sind Attraktionen, die alljährlich Millionen von Touristen aus aller Welt in ihren Bann ziehen. Ludwigs Bild ist zur Ikone geworden und ziert Lederhosenträger und Maßkrüge ebenso wie Rheumadecken. Als "Kini" der Herzen ist er zum Objekt der Kitschindustrie geworden. Seit mehr als 100 Jahren bewährt sich Ludwig als perfekter Werbeträger, als Marke mit großer Haltbarkeit.
Für die Werbeleute steht er als Synonym für Bayern, aber auch für die Sehnsucht nach einer Zeit, die es so vermutlich nie gegeben hat: die "gute alte". Vor allem aber ist Ludwig die perfekte Projektionsfläche für Träume aller Art: strahlend schön, einsam, eine romantische Metapher in einer Zeit, in der sich das Königtum generell dem Ende zuneigte. Anders als sein Großvater Ludwig I. baute der Märchenkönig nicht für die glanzvolle Repräsentation von Königreich und Land, sondern ausschließlich zu seinem Privatvergnügen. Mit Schloss Neuschwanstein ließ er die Welt der mittelalterlichen Ritter wieder erstehen. Auf der Herreninsel im Chiemsee baute er dem absoluten Königtum Ludwigs XIV. ein Denkmal. Und während er politisch längst gegen seine Beamten in München wie gegen das übermächtige Preußen den Kürzeren gezogen hatte, kümmerte er sich bei seinen Bauten um kleinste Details und überließ nichts dem Zufall.
Für den heutigen Freistaat Bayern, seinen Finanzminister und die Tourismusindustrie, ist Ludwig eine (Geld-)Quelle steter Freude. Und auch seine Familie, die sich lange schwertat mit ihm, hat ihren Frieden geschlossen mit dem einstigen "schwarzen Schaf". Was bleibt: Ludwig als Ikone des bayerischen Selbstbewusstseins, als ewig junger internationaler Star, der neben ähnlich früh verstorbenen Idolen wie James Dean oder Marilyn Monroe steht. Auch ohne jährlich neue Filme, Musicals, Fernsehberichte und Zeitungsserien würde er für seine Bayern das bleiben, was er seit über 100 Jahren ist: der "Kini" der Herzen.

Bewertung

0,0   0 Stimmen