Deckname Eisenrose
Im Jahr 1943, als sich eine entscheidende Wende des II. Weltkriegs abzeichnete und die alliierten Bomber den Krieg nach Deutschland zurückbrachten, begann ein groß angelegtes Bauprogramm von Luftschutzanlagen für die Zivilbevölkerung und die Untertageverlagerung von sogenannten kriegswichtigen Industriebetrieben. Diese Vorhaben unterlagen höchster Geheimhaltung.
Joseph Goebbels hatte gerade in Berlin den "totalen Krieg" verkündet, da empfahl der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, unterirdische Anlagen zur Treibstofferzeugung auch in das Elbsandsteingebirge zu verlegen. In Strand, einem kleinen Ort in der Nähe der Festung Königstein, schufen in nur fünf Monaten über 1000 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge aus mehreren KZ- Außenlagern in einem ehemaligen Steinbruch ein Stollensystem.
Hier sollte - unter dem Decknamen "Eisenrose" - auf 18.000 Quadratmetern eine Anlage zur synthetischen Benzinproduktion entstehen. Bei den Anwohnern wurde die Legende verbreitet, es würde eine Nudelfabrik gebaut. Durchgeführt wurde das Projekt von der Organisation Todt. Das war eine militärisch organisierte Bautruppe, die vor allem mit Schutz- und Rüstungsprojekten befasst war, dem Ausbau des Westwalls und des Atlantikwalls und dem Bau der Wolfsschanze. Die Stollen mit dem Tarnnamen "Eisenrose" - auch der Deckname "Schwalbe 2" wurde damals verwendet - waren Teil eines ganzen Netzes derartiger geheimer Anlagen in Deutschland.
Die Bauarbeiten in der Sächsischen Schweiz begannen erst im Spätherbst 1944, also nur wenige Monate vor Kriegsende. Für das Vorhaben bedurfte es Arbeitskräfte, doch die meisten deutschen Männer waren zu dieser Zeit im Krieg. So wurden vor allem KZ-Häftlinge bei der Untertage-Verlagerung eingesetzt. Das Konzentrationslager Flossenbürg war die Schaltstelle für zahlreiche Außenlager, auch für diejenigen, die ab Ende 1944 in der Sächsischen Schweiz aus dem Boden gestampft wurden. Eines davon war direkt neben der Festung Königstein. Täglich wurden die Gefangenen von dort aus fünf Kilometer zur Arbeit ins Elbtal getrieben. Die Einheimischen schauten weg.
Die Anlage "Schwalbe 2" sollte im November 1945 in Betrieb gehen. Das Ende des II. Weltkrieges sorgte auch für das Ende dieses Projektes, das den Untergang des Regimes hinauszögern sollte und doch nur weitere Menschenleben kostete. Die Stollen im Elbsandsteingebirge haben als steinerne Zeugen den Krieg überdauert und gerade junge Leute beginnen sich jetzt wieder dafür zu interessieren, welche schrecklichen Dinge in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs in der idyllischen Sächsischen Schweiz passiert sind.