Blind - nicht blöd!

Blind - nicht blöd!

Den Kopf etwas zur Seite haltend, die Finger der beiden Hände auf eine kleine Rille gelegt, die unterhalb der Computertastatur angebracht ist, schaut Christina, während sie liest, ins Leere. Unter ihren Fingerspitzen spürt sie kleine Stifte, die in den Buchstaben der Braille-Punktschrift Absatz um Absatz vorbeiziehen lassen. Christina, 26, ist wegen einer Krebserkrankung seit ihrem 4. Lebensjahr blind. Schon ihre Schullaufbahn war nicht selbstverständlich. Ihre Eltern setzten nur mühsam durch, dass sie auf ein ganz normales Gymnasium gehen konnte. Allen Kritikern zum Trotz machte Christina ihr Abitur mit 1,0 und begann ein Theologiestudium. Ein schweres Unterfangen, denn all das, was für andere zum ganz normalen Studium gehört, bedeutet für Christina Aufwand, Mühe und Umstand. Auch die Organisation des Alltags nimmt großen Raum in ihrem Leben ein. Christina ist reflektiert, selbstbewusst, gewohnt und bereit, für ihre Rechte einzutreten. Doch manchmal verzweifelt auch sie. Jetzt hat sie ihr Studium abgeschlossen. Ein wichtiger Teil des Examens ist ein Gottesdienst, für den sie die Predigt schreibt und auch hält.

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