Auf der Spur des Löwen

Auf der Spur des Löwen

Eleonore Krämer lebt alleine und zurückgezogen in Wien und leidet unter einer Angststörung: Sie hasst Überraschungen, Berührungen jeder Art, meidet die Öffentlichkeit und verlässt ihre Wohnung nur im äußersten Notfall. Menschen machen ihr Angst, im Besonderen Kinder. Umso verwunderlicher ist es, dass sie ausgerechnet Kinderbuchillustratorin ist und bereits einige Preise eingeheimst hat. Eleonores Altbauwohnung mitten in Wien gleicht einer Trutzburg, deren Eingangstür sich lediglich für ihre Lektorin und ihre Lieferanten öffnet. Als eines Tages der ihr unbekannte Max Reimann vor eben dieser Tür steht und ihr von der schweren Erkrankung ihres Bruders Fred erzählt, gerät Eleonore an die Grenzen ihrer Ängste. Fred, ein Priester und Leiter eines Kinderheims in Südafrika, liegt im Sterben und wünscht sich nichts sehnlicher, als seine Schwester noch einmal zu sehen. Die Geschwister standen sich in ihrer Kindheit sehr nahe. Durch die nahezu entgegengesetzten Lebensentwürfe haben sie sich aus den Augen verloren. Der Bruder wandte sich ganz den Menschen, vor allem verwaisten Kindern zu, während sich Eleonore allein und zurückgelassen fühlte und sich immer tiefer in ihre Einsamkeit vergrub. Ihre übergroßen Ängste hindern sie nun daran, Fred zu besuchen. Nach reiflicher Überlegung und der Aussicht, ihren geliebten Bruder möglicherweise nach Wien zu bringen und retten zu können, springt Eleonore über ihren Schatten. Nach vielen Jahren steigt sie wieder in ein Flugzeug. Max, Freds treuer Freund und sein Sponsor, begleitet Eleonore auf der Reise nach Südafrika. Dort holen Eleonore ihre größten Ängste ein: Die hygienischen Bedingungen sind nicht, wie sie es gewohnt ist, die Menschen sind emotionsgeladen, die Kinder im Heim sind unberechenbar und wild, wollen sie anfassen und mit ihr spielen. Ihr Bruder, der weiß, wie viel Überwindung die Reise Eleonore gekostet hat, weigert sich, in Wien ärztliche Hilfe zu suchen. Er spürt, dass seine Tage gezählt sind und wünscht sich, in seiner neuen Heimat zu sterben. Natürlich erfüllt ihm Eleonore diesen Wunsch.

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