Arche Thüringen

Arche Thüringen

Film von Ute Gebhardt Sie sieht grimmig aus mit ihrer schwarzen Gebissleiste. Er ist der sanfteste seiner Art und hat ein Mehlmaul. Sie guckt immer frech, weil sie eine Maske trägt. Andere zeigen als einzige ihrer Art einen schwarzen Kopf zu weißen Beinen oder sie nerven als flatterhafte Pausbäckchen. Mit der Fülle an Thüringer Haustierrassen kommt keine andere Region Deutschlands mit. Steinbacher Kampfgans, Thüringer Waldesel, Thüringer Waldziege, Thüringer Barthuhn, Rhönschaf und viele andere - sie alle sind echte Thüringer und sehr selten geworden, eben vom Aussterben bedrohte Haustierrassen. Warum es so viele original Thüringer gibt? Der wichtigste Grund dürfte in der Kleinteiligkeit der Landschaft und der historischen Vielfalt der Landwirtschaft liegen. Es gab viele verschiedene Landschläge mit ihren Eigenheiten, aus denen die Haustierrassen hervorgingen. Warum sie aussterben? Die alten Rassen sind Bauernhoftiere und waren mehrfach nutzbar. Früher gab das klassische rote Höhenvieh Milch, zog den Pflug und lieferte am Ende Fleisch. Oder das Thüringer Barthuhn - ein historisches 'Zwiehuhn'. Es legte im Jahr 120-150 Eier, landete nach drei, vier Jahren im Suppentopf. Die männlichen Küken ließ man ein knappes halbes Jahr alt werden und hatte Brathähnchen. Heutige Legehybriden legen 250-300 Eier in einer künstlich verlängerten Saison und werden danach zu Hundefutter geschreddert. Die alten Tierrassen sind in der heutigen Intensivhaltung undenkbar, da sind Spezialzüchtungen mit höheren Erträgen gefragt. Warum sie nicht aussterben sollten? Da gilt für die Wildnis wie für die heimische Wiese: Was verschwunden ist, kehrt nicht zurück. In der Vielfalt liegen die kulturellen, aber vor allem die biologischen Werte. Und die haben eine Zukunft, der sich engagierte Halter widmen. Ein Film über Idealisten - mit zwei und mit vier Beinen. (MDR Thüringen 21.12.2011).

Bewertung

0,0   0 Stimmen