Anne will es schaffen
Schäfermeister Thomas Stum hinterlässt nach seinem Tod nicht nur Frau und Kinder, sondern auch 1.500 Schafe - die größte Herde von Rheinland-Pfalz. Für seine Frau Anne muss es weiter gehen.
Am 27. Januar 2014 ändert sich das Leben von Anne Stum aus Malberg im Westerwald auf dramatische Weise. Die Polizei steht nachts vor der Haustür und teilt ihr mit, dass ihr Mann Thomas bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.
Der Schäfer wurde auf der B49 unter seinem Traktor begraben, nachdem er von einem Transporter gerammt worden war. "Bis heute denke ich immer wieder, dass er im Stall ist, wenn abends dort das Licht brennt. Ich funktioniere zwar - aber ich habe das alles noch lange nicht verarbeitet", sagt Anne.
Viele sagen: "Das kannst Du doch gar nicht schaffen! Übernimm Dich nicht!" - Aber sie will. Um jeden Preis will sie es schaffen: "Schon am ersten Tag nach der Todesnachricht war für mich klar: das ist Thomas' Lebenswerk - das darf nicht zugrunde gehen. Und Thomas' ehemaliger Kompagnon, Thomas Bublies, hatte den gleichen Impuls." - Bei beiden spielt sicher auch eine große Rolle, dass diese immense Anforderung rund um die Uhr sie davor schützt, in ein tiefes Loch der Trauer und Ausweglosigkeit zu stürzen.
Aber je länger der Unfall her ist, desto schlimmer wird es für Anne: "Ich vermisse Thomas so.
Als Partner, als Freund, als Vertrauten!"
Im Winter war Thomas auf der Walz - und nur wenig zuhause. Im Frühling kam er zurück - das war 25 Jahre lang so. Dieses Jahr kommt er nicht wieder.
Aber es muss weiter gehen: schweren Herzens wird Anne die letzten Lämmer verkaufen müssen, die ihr Mann gezüchtet hat. Sie braucht das Geld und die Herde muss kleiner werden. Als wäre der Alltag nicht schon schwer genug, gibt es auch noch Probleme mit Cora, Thomas' Lieblingshündin. Sie hat ein Geschwür. Anne hofft, dass es gutartig ist und Cora noch lange bei ihr bleiben kann. Lille, Thomas' geliebte Ziege ist kurz nach Thomas' Tod gestorben. "Sie hat ihn zu sehr vermisst", so die Schäfersfrau.