Als wir unser Haus bauten

Als wir unser Haus bauten

Nach dem Zweiten Weltkrieg glich Deutschland einer Trümmerwüste. Ob in Hamburg, Kiel oder Stralsund, bis zu 80 Prozent der Wohnungen und Häuser waren zerstört, dazu kamen Millionen Flüchtlinge. Die Sehnsucht nach einem Zuhause war groß, der Wohnraum aber knapp. Viele Menschen wünschten sich ein eigenes Haus mit Garten. Voller Energie und mit viel Mühe machten sie sich daran, diesen Traum umzusetzen. Doch es gab dabei einige Hindernisse. Und so ist die Geschichte vom eigenen Hausbau auch eine Geschichte von Pannen, Hoffnungen und viel nachbarschaftlicher Hilfe. Die Dokumentation 'Unsere Geschichte - Als wir unser Haus bauten' blickt zurück auf den Bauboom in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre in Ost und West. Eine Zeit, in der Familien arm waren, Sparkassen und Bauunternehmer reich wurden und sich das Aussehen der norddeutschen Tiefebene veränderte. In Hamburg ausgebombt zogen die Schwestern Gisela und Erika Gebauer mit ihren Eltern aus Eimsbüttel in eine Gartenlaube nach Jesteburg - aufs Land. Dort fanden sie ihr Glück: Gisela und Erika heirateten zwei Brüder und bauten mit ihnen auf dem gleichen Grundstück zwei Häuser. Heute stehen auf dem Grundstück vier Eigenheime, denn auch ihre Kinder wollten in Jesteburg leben. Fritz Mertz floh als einer von Millionen Vertriebenen aus dem heutigen Polen in den Westen. In Neugnadenfeld im Emsland fanden er und die gesamte Gemeinde seines ehemaligen Dorfes Zuflucht. Die Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeine lebten jahrelang in Baracken, machten das torfige Moorland urbar und bestellten das Land. Im Alter von 20 Jahren wurde Fritz Mertz endlich, mit Mutter und Brüdern, ein eigenes Haus zugeteilt, in dem er noch heute mit seiner Frau lebt. Für Gustav Viebrock aus Harsefeld waren die ankommenden Flüchtlinge und die Wohnungsnot in der Region der Start für sein Baugeschäft. Der findige Unternehmer nutzte die staatlichen Finanzierungs- und Förderprogramme und verhalf Hunderten von Vertriebenen zu Eigenheimen. Der Trick dabei, mit seinen Typenhäusern konnte er die Preise niedrig halten. Ganze Ortschaften haben noch heute den typischen 'Viebrock-Look'. In Bremen träumten Bärbel und Heinz Buschmann seit der Geburt ihres Sohnes Ulf davon, die Vulkan-Werkswohnung verlassen zu können. Doch das Ersparte reichte nicht für einen Neubau, sondern nur für den Kauf eines alten Bauernhauses ohne Abwasseranschluss und Badezimmer. Über Jahrzehnte hinweg bauten die Buschmanns ihre alte Kate mit viel Eigenleistung aus. Und irgendwann bekam Sohn Ulf sein eigenes Zimmer, Mutter Bärbel einen Swimmingpool und Vater Heinz den Partyraum mit Theke. Der Bauboom der späten 1960er-Jahre inspirierte den Regisseur Dieter Wedel zu seinem Spielfilm 'Einmal im Leben Die Geschichte eines Eigenheims'. Der Dreiteiler über korrupte Bauunternehmer und einen desaströsen Hausbau war bei Erstausstrahlung ein Straßenfeger und erreichte eine Einschaltquote von 68 Prozent. Die Autoren Anne-Kathrin Thüringer und Christian Mangels zeigen in ihrer Dokumentation, wie sehr sich die Menschen nach dem Krieg nach den eigenen vier Wänden sehnten und wie sich die Städte Norddeutschlands dadurch verändert haben.

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