Alexander Kluge: Tür an Tür mit einem anderen Leben
Im Gespräch mit Andreas Ammer erzählt Alexander Kluge über seine Arbeit am "Institut für Sozialforschung" bei Theodor W. Adorno, den Ursprung seiner Filmemacher-Laufbahn als Volontär bei Fritz Lang und über seine Forderungen nach politischer und künstlerischer Unabhängigkeit des Neuen Deutschen Films. Alexander Kluges Filme wollen eine realitätsgetreue Abbildung der Wirklichkeit sein: "Die Kamera lügt nicht, sage ich, und ich bin der Letzte, der ihr jetzt irgendwelche Freundlichkeiten abverlangt", sagt er.
Bereits mit seinem ersten Kinofilm, "Abschied von gestern" im Jahr 1966, erntet Kluge Ruhm als Filmemacher. Zugleich veröffentlicht er ein Buch nach dem anderen. Seit 1988 ist Kluge einer der großen Männer im Hintergrund des deutschen Privatfernsehens: Er hat aufgehört, Kinofilme zu produzieren und sich ganz dem Fernsehen verschrieben. Mit seiner eigenen Firma "dctp" bestückt Alexander Kluge das deutsche Privatfernsehen wöchentlich mit Kulturprogrammen. Kluge selbst tritt in seinen Sendungen nie auf, sondern bleibt die Stimme im Hintergrund. Genauso bescheiden zeigt sich Alexander Kluge in seinem Gespräch mit Andreas Ammer: Nahbar und authentisch berichtet er über das Filmemachen, seine eigenen Ansprüche dabei und die Bedeutung des Films für ihn selbst.
Doch nicht nur als Filmemacher ist Kluge eine bedeutende Person: 1962 trägt er als Schriftsteller zum ersten Mal in der Gruppe 47 vor. Als 2006 sein Band "Tür an Tür mit einem anderen Leben" erschien, hat Kluge erstmals einige Einblicke in seine Biografie zugelassen. Die Figuren des Vaters und der Großmutter treten hier als prägende Gestalten seines Lebens hervor: "So richtig Lust zu schreiben habe ich erst in diesem neuen Jahrhundert gewonnen. Dass man Lust hat, Erfahrungen zusammenzufügen, diese Lust habe ich seit 2000", bekennt er.