... damit wir klug werden
Was tun, wenn plötzlich jede Menge junger, schwarzer Männer das Stadtbild verändern?
In Winsen an der Luhe öffnen Pastor Kalmbach und Gemeindemitglieder die Tür zum Gemeindehaus und laden ins "Internationale Café" ein. "Hauptsache wir kommen mit den Flüchtlingen in Kontakt, der Rest wird sich finden," so ihre Haltung. Daraus hat sich in der norddeutschen Kleinstadt ein regelrechter Umschlagplatz für Hilfen aller Art entwickelt: Deutschunterricht, Fahrradreparaturen, Hilfe bei Behördengängen, Vermittlung von Praktika und gemeinnützigen Arbeiten, gemeinsames Spielen oder einfach nur den Traumatisierten zuhören. Die Winsener Bürger sind selbst überrascht, wie bereichernd der oft auch privat gewordene Kontakt zu den Flüchtlingen ist. Keine Einbahnstraße, merken sie - und: "Jeder kann das nachmachen", sagt Pastor Kalmbach, "wir brauchen doch die jungen Leute dringend." Das gemeinsame Anliegen bringt frischen Wind ins Gemeindeleben.
"Inspire" nennt sich die Initiative unterschiedlicher Christen um Pastor Barry Sloan in Chemnitz, die den "Brühl" beleben wollen. Der Brühl war vor der Wende eine osttypische Einkaufs- und Wohnstraße mitten in Chemnitz. Nach der Wende folgte der Niedergang durch Wegzug, Einkaufszentren vor den Toren der Stadt und Immobilienspekulanten. Jetzt bemüht sich die Stadt, den Brühl wieder zu beleben. "Inspire" macht mit. Seit wenigen Wochen ist ihr Treffpunkt auf dem Brühl geöffnet. Vom Café über Englishunterricht bis zu Sonntagen mit Soulmusik reicht ihr Angebot. "Wir wollen ein Segen sein für die Stadt", meint Barry Sloan.
In Stuttgart werden die "Stadtbeweger" vom CVJM-Saal ausgesendet: Sie gehen zu Obdachlosen, Kinderspielplätzen und Altenheimen - und abends ist ein Jugend-Gottesdienst mit Band. "Es geht ums Einüben von sozialem Engagement, ums Hinschauen und Tun - und das nicht nur an den vierteljährlichen Aktionstagen", meinen Thomas Rieker und Annette Rachinger von den APIS. Das sind die Altpietisten in Stuttgart, die als Teil der Ev. Allianz, Mitveranstalter des sogenannten Stadtbewegertages sind. Die jungen, frommen Menschen der APIS leben in Wohngemeinschaften zusammen und wollen bewusst ihrem Stadtteil dienen. Drei Mal pro Woche öffnen sie ihre Tür für Kinder- und Jugendliche - die meisten mit Migrationshintergrund. Thomas und Annette studieren beide Soziale Arbeit und nehmen ihre ehrenamtlichen Dienste sehr ernst: "Hinschauen, nicht wegschauen", das ist Annettes und Thomas Motto.
Der Film stellt drei Gemeinden in Deutschland vor, die sich in der Gesellschaft engagieren und sie auf ihre Art aktiv mitgestalten. Alle drei Gemeindeinitiativen stellen sich beim Kirchentag 2015 in Stuttgart vor.