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Ku'damm '56 - Die Dokumentation

Film/Kino/TVD 201643 Minuten 

Die Dokumentation richtet den Blick auf Lebenswelten Mitte der 50er Jahre - als der schöne Schein der Aufbauzeit vielerorts manch finstere Schatten der Vergangenheit überstrahlte. Zehn Jahre sind vergangen seit dem Krieg, den NS-Verbrechen, der braunen Diktatur. Und doch ist die Welt inzwischen eine völlig andere, eine neu geordnete, geteilte. Der Riss geht mitten durch Europa. In Berlin ist die Spaltung besonders spürbar. Autorin Heike Nelsen-Minkenberg erzählt die Lebensgeschichte von Menschen, deren Werdegang eng mit diesen Jahren verknüpft ist. Wie Rolf Eden, Playboy und Party-Legende des alten West-Berlin. Als Kind mit seinen Eltern vor der Judenverfolgung nach Palästina geflohen, kehrt er 1956 nach Berlin zurück. Ecke Ku'damm, Nestor-Straße - dort eröffnet er seinen ersten Club, den bald legendären "Eden Saloon". Es ist eine Zeit mit einem neuen Klang, die Vertonung einer neuen Jugendkultur - des Rock 'n' Roll. Im Berliner Tanzlokal "Badewanne" wird er Abend für Abend live gespielt und gelebt. Nach den Hits von Elvis Presley und Bill Haley rocken die sogenannten "Halbstarken" auf der Tanzfläche. Stammgast war damals Roswitha Todt, die in der Dokumentation von ihren "wilden" Jahren berichtet. Westberlin war aber auch Teil der alten Bundesrepublik. Nach deren Gesetzen war gelebte Homosexualität weiterhin strafbar, galt als Krankheit, wenngleich mit den "richtigen" Mitteln heilbar. Auch Manfred Bruhns musste seine Homosexualität verleugnen. Im Interview erinnert sich der mittlerweile pensionierte Bundesrichter, wie er über Jahrzehnte seine sexuelle Orientierung konsequent geheim hielt, um seine Karriere nicht zu gefährden. Der Psychiater Professor Heinz Häfner praktizierte seit 1951 und verbindet noch heute sehr beklemmende Erinnerungen mit jener Zeit, zu der die "Elektrokrampftherapie" als eine Art Allheilmittel gegen angebliche und tatsächliche psychische Erkrankungen galt. Unzählige Patienten wurden so gequält, bis die ersten wirklich wirksamen Medikamente ihren Weg auch nach Europa fanden. Es sind Erfahrungen, die den Kontrast bilden zu den bunten Bildern jener "Wirtschaftswunder"-Zeit.

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