Radio Bremen TV

die nordstory: Der Hafen

ReportagereiheD 60 Minuten 

Der Hafen in Emden ist eine Welt für sich. Er ist so groß wie eine Kleinstadt. Mehrere Tausend Menschen arbeiten hier: vom einfachen Festmacher bis zum hochdekorierten Flottenkapitän, vom Schrotthändler bis zum Werftchef. Vom Emdener Hafen aus starten die Containerriesen in die ganze Welt, aber auch kleine Binnenschiffe Richtung Rhein und Donau. Am Borkum-Kai tummeln sich die Touristen, die auf den Ausflugsdampfer zu den Ostfriesischen Inseln warten.

Im Hafen von Emden wird harte Arbeit gemacht, es gibt aber auch ein bisschen Seefahrerromantik. Im Seemannsheim treffen sich Besatzungen von Schiffen aus der ganzen Welt zum Kartenspielen oder zum gemeinsamen Mittagessen. Auch diejenigen, die nicht mit dem Schiff unterwegs sind, genießen die maritime Stimmung. Camper aus ganz Deutschland stehen an der Hafenausfahrt und schauen Schiffen hinterher.

Jeden Morgen um Punkt sechs Uhr macht Hella Bittner ihre kleine Fischbude auf. Hellas Imbissanhänger steht direkt am Hafen. Die ersten Emder mit Appetit auf Fisch warten schon auf sie. Hella ist vor allem für ihre Fischbrötchen berühmt. Sie nimmt dafür weiche Milchbrötchen.

Ihre Fischbude ist ein echter Familienbetrieb. Ihr Sohn und drei Töchter arbeiten mit und achten darauf, dass die Qualität stimmt. "Die Mischung für den Kartoffelsalat ist besonders wichtig", sagt Hella. "Wenn da mal zu viele Gewürzgurken drin sind, geht hinterher das Telefon in einem Rutsch." Einmal am Tag stoppt auch Kalle, der Trucker vom Emder Hafen, bei Hella. Und weil Kalle keinen Fisch mag, bekommt er immer eine "Sonderanfertigung": Wurst im Milchbrötchen. Fischfrau Hella ist flexibel.

Günter Laurenawitz ist der Hafenmeister vom alten Emder Binnenhafen. Er bedient die Klappbrücke in der Innenstadt und kann dort alles zum Stillstand bringen. Auf der Hauptstraße herrscht dann immer Chaos. "Bis sich der Stau aufgelöst hat, dauert es immer so fünf Minuten, und die Emder sind ungeduldig", sagt Laurenawitz. Der Hafenmeister muss sich im historischen Hafen um alles kümmern: Er hält alles sauber, weist Booten ihre Liegeplätze zu, führt Rundfahrten auf dem Hafenboot durch und betreut den Wohnmobilstellplatz. Dort gibt es oft Streit, denn jeder Camper möchte gern einen der wenigen Plätze direkt am Wasser ergattern.

Uwe Ulsamer ist der Hafen-Elektriker, sozusagen der "Hausmeister" vom Emder Hafen. Wenn dort etwas kaputt geht, ist er zur Stelle und repariert, schraubt, tüftelt. Von morgens bis abends ist er auf Tour. Manchmal muss er sogar nachts raus. Die alten Schleusentore sind besonders anfällig, wenn sie ausfallen, dann stauen sich die Schiffe und es herrscht Chaos im Hafen. Schon bei dem Gedanken daran wird Uwe Ulsamer nervös. Zum Glück greifen die Jungs von der "Schweiß-Pünte", dem alten Werkzeugschiff, dem "Hafen-Hausmeister" oft unter die Arme.

Eigentlich ist fast alles alt im Emder Hafen. Daher gibt es jede Menge zu tun: in der alten Seeschleuse, am Kai im Binnenhafen oder am Getreidekai. Langeweile kommt dort nie auf.

Bewertung

1,0   1 Stimme