NDR

die nordstory: Aus aller Welt in den Norden

ReportagereiheD 60 Minuten 

"die nordstory" steht in dieser Ausgabe unter dem Motto: Multikulti, der Norden hat viele Farben. Nahezu jeder Vierte in Deutschland hat ausländische Wurzeln. Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt und unterschiedlicher Kulturen bereichern auch in den norddeutschen Bundesländern das Zusammenleben:

Hamburg: Syrisch für Hamburger

Der Syrer Hanna Saliba ist ein erfolgreicher Unternehmer. 1971 kam Hanna Saliba aus Latakia an der syrischen Mittelmeerküste nach Hamburg. Er ging zunächst zur Seemannsschule, fuhr dann auch zur See, eröffnete aber schon bald sein erstes Saliba-Restaurant, weil er nicht mehr ständig unterwegs sein wollte. Aus einem wurden nach und nach viele erfolgreiche Restaurants. Eines hat er heute noch, die anderen hat er verkauft. Seit drei Jahren kamen und kommen immer wieder syrische Flüchtlinge in sein Lokal, suchen Arbeit und Hilfe in der Fremde. Hanna Saliba hatte die Idee, einen kleinen Imbiss mit Niveau zu eröffnen, betrieben von den Flüchtlingen, die er zuvor angelernt hatte. Zwei Imbissläden gibt es schon, einen im Eppendorfer Weg, den anderen am Großmarkt beim Mehr! Theater. Hanna Saliba zeigt seinen neuen Geschäftspartnern, wie so etwas funktionieren kann und hilft bei allen auftauchenden Problemen.

Mecklenburg-Vorpommern: zwischen Afrika und Mecklenburg

Die Familie von Caspar Venter lebt seit Generationen, seit mehr als 300 Jahren, in Südafrika. Doch den 45-jährigen Caspar hat es nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen. Seit 15 Jahren ist er in Neubrandenburg deutschlandweit der Spezialist für Afrika-Reisen. Ob Namibia, Sambia, Kenia oder der Kongo: Caspar Venter und sein Team sorgen für maßgeschneiderte Erlebnistouren. Dass der Südafrikaner heute in Neubrandenburg lebt, hat er einer Begegnung auf einem Bahnhof in London zu verdanken. Dort traf der Sohn eines Diplomaten vor mehr als 20 Jahren auf die etwas verloren wirkende Studentin Katja aus Mecklenburg-Vorpommern. Er, ganz Gentleman, half ihr beim Koffertragen. Am Ende hatte er ihre Telefonnummer. Es entwickelte sich eine Freundschaft, aus der Jahre später Liebe wurde. Mittlerweile sind die beiden verheiratet, haben drei Kinder, feiern das 15-jährige Bestehen ihres Reisebüros. Mit kurz über 40 haben sie auch noch den Triathlon für sich entdeckt. Alles klingt nach heiler Familienwelt. Doch seit einiger Zeit gehen Caspar und Katja auch eigene Wege. Aus ihrem Slogan "Mein. Dein. Afrika" wird jetzt "Mein. Dein. ... Unser Afrika."

Niedersachsen: der "bunte Vogel von Osnabrück"

Seine Heimat ist Osnabrück, Wurzeln hat er in der Welt: Karim McLeod ist als "bunter Vogel" des Grünflächenamtes Osnabrück bekannt. Er hat einen iranischen Vater, ist in England aufgewachsen und wegen des Brexits hat er jetzt einen deutschen Pass. Sein Tag beginnt früh um vier mit Gymnastik und Vokabeln üben. Denn er lernt ständig neue Fremdsprachen. So beherrscht er auch Plattdeutsch. Er liebt das Gärtnern und ist nicht auf den Mund gefallen, wenn die Bürger sich über die Grünanlagen beschweren. Im Zweifelsfall mimt er dann den Ausländer. In der Stadt ist er auch bekannt fürs Dudelsack spielen. Mit seinen Bandkollegen organisiert er regelmäßig Charitykonzerte.

Schleswig-Holstein: "Einge-Burger-t": John Rapaglia and Friends

Bis jetzt hat John Rapaglia alles richtig gemacht: den sicheren Job als Professor für Meeresbiologie an der US-Ostküste an den Nagel gehängt und in seiner deutschen Lieblingsstadt Kiel ein Burgerrestaurant eröffnet. Der Laden brummt! Nicht nur wegen John, auch wegen Sophie aus England, David aus Neuseeland, Aaron aus den USA und den anderen Leuten aus aller Welt. Ein fairer Job für Studenten und Arbeitssuchende und ein "Place to be" für die Kieler! Allerdings ist John selbst an der Belastungsgrenze angelangt: Wer soll den neuen Foodtruck fahren? Gibt es genug Personal für einen kleinen zweiten Laden? Wie soll er gleich zwei Stände auf der Kieler Woche betreiben? Einer soll helfen: Takashi Kanno, Johns japanischer Freund seit der Kindheit, in New York hochdotierter Banker an der Wallstreet. Takashi hat das Burger-Experiment so lange beobachtet, bis er bei der deutschen Einwanderungsbehörde einen Antrag auf Arbeitserlaubnis gestellt hat. Der wurde bewilligt, Takashi ist in Kiel. Mit seiner Hilfe könnte aus der originellen Idee ein echter Businessplan werden und aus John's Burger eine lukrative Begegnungsstätte der Kulturen.

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