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Hinter den Städten - Wie leben auf dem Land geht

Dokumentarfilm90 Minuten 

Deutschland - Land der Widersprüche. Laut einer aktuellen Umfrage will jeder dritte Deutsche gerne auf dem Land leben. Nur jeder Siebte in einer Großstadt. Die Realität ist aber genau umgekehrt: Jeder dritte Deutsche lebt aktuell in einer Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Und nur jeder siebte auf einem Dorf mit weniger als 5.000 Einwohnern. Die "Speckgürtel" um die Großstädte werden breiter und der ländliche Raum ist von Abwanderung betroffen, Schulklassen werden kleiner, Infrastruktur und ärztliche Versorgung schlechter. Der ländliche Raum hat zu kämpfen. Und er kämpft - gegen das Abgehängt-Sein und um neue Bewohner. In Bad Schlema im Erzgebirge haben die Bürger aus der Not eine Tugend gemacht. Als der letzte Supermarkt schloss und kein neuer Discounter bereit war, hier einen Standort zu eröffnen, ergriffen die Bewohner selbst die Initiative und gründeten den ersten Bürgermarkt Sachsens. Im brandenburgischen Storkow schlossen sich mittelständische Unternehmen zusammen, bieten jetzt rund 2000 Menschen einen Arbeitsplatz und erwirtschaften einen beachtlichen Anteil am Steueraufkommen der Region. Regelmäßig treffen sich Mittelständler auch zu Arbeitseinsätzen, wo es um die Verschönerung der Stadt geht, und organisieren Veranstaltungen. Sie wollen junge Menschen im ländlichen Raum halten, denn sie brauchen sie dringend als künftige Fachkräfte. Das gelingt aber nur, wenn es auch Infrastruktur für junge Familien gibt. Im Juli 2018 hat die Bundesregierung eine Kommission für gleichwertige Lebensverhältnisse überall im Land ins Leben gerufen. Das Leben auf dem Land soll noch mehr gefördert werden. Doch was heißt das?

Gegenwärtig zeichnet sich aber auch ein Wandel ab. Leben im ländlichen Raum wird mancherorts attraktiver: Zwar ziehen nach wie vor deutlich mehr junge Menschen unter 30 Jahre in die Großstädte. Aber die Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen zieht es verstärkt aufs Land. Unter ihnen auch viele Rückkehrer wie Jenny und Terence Böhme. Ihnen ging es im Rhein-Main-Gebiet bestens: drei Kinder, ein eigenes Haus mit Garten, liebe Freunde und zwei gut bezahlte Jobs. Einziger Makel: die ständige Sehnsucht nach der Heimat. 2018 wagten sie schließlich den großen Schritt, verkauften ihre Immobilie in der Nähe von Frankfurt und zogen mit Sack und Pack zurück in die Oberlausitz. Dorthin, wo sie als Kinder aufgewachsen sind. Dass sie in die Heimat zurückkehren konnten, ohne dabei auf große Jobsuche zu gehen, verdanken sie der Digitalisierung. Ihre Jobs können sie so weiterführen wie bisher. Einziger Makel: Sie vermissen viele alte Freunde von früher, die wie fast 95 Prozent der Abiturjahrgänge die Heimat nach dem Abitur oder Studium verlassen haben. Aber vielleicht kommen noch ein paar mehr zurück.

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