Yasmina Khadra, Blicke auf Algerien

Yasmina Khadra, Blicke auf Algerien

Yasmina Khadras Leben ist alles andere als banal, es liest sich vielmehr wie ein spannendes Epos. Denn die vermeintliche Bestsellerautorin, deren erste Romane im algerischen Bürgerkrieg der 90er Jahre spielen, ist gar keine Frau. Khadra ist das Pseudonym eines Schriftstellers, der in Wirklichkeit Mohammed Moulessehoul heißt. 1964 war Mohammed gerade neun Jahre alt, als sein Vater ihn auf ein Militärinternat schickte. Er sollte Offizier werden und in der algerischen Armee kämpfen. Der Junge fühlte sich verstoßen, Schmerz und Verständnislosigkeit prägten seine traurige, fernab von der Familie verbrachte Kindheit. Je weiter seine militärische Ausbildung voranschritt, desto klarer wurde ihm, dass er viel lieber Schriftsteller werden wollte. Den Bürgerkrieg erlebte er hautnah mit - acht Jahre lang kämpfte er als Offizier gegen die islamistische Bewegung, die Algerien in den neunziger Jahren in ein grausames Blutbad tauchte. In seinen schlaflosen Nächten schrieb er Romane und veröffentlichte sie unter einem Pseudonym, das sich aus den beiden Vornamen seiner Frau zusammensetzt: Yasmina Khadra. Schreiben war für den Offizier Moulessehoul mehr als bloßer Zeitvertreib - es war ein Bedürfnis, eine Lebensnotwendigkeit. Als Moulessehoul schließlich seine wahre Identität preisgab und ins Exil nach Frankreich floh, erwartete ihn dort eine andere Form der Einsamkeit: Er hatte geglaubt, dort in die große Familie der Schriftsteller aufgenommen zu werden - doch man empfing ihn als Soldaten und mit entsprechendem Argwohn. In Form eines Roadmovies zwischen Algerien und Frankreich erzählt der Film von Yasmina Khadras alias Mohammed Moulessehouls literarischem Werk, von seiner komplexen Persönlichkeit und seinem Leben, das mit der algerischen Geschichte seit der Unabhängigkeit eng verwoben ist.

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