Wenn der Zufall Schicksal spielt

Wenn der Zufall Schicksal spielt

Es gibt Erlebnisse zwischen Himmel und Erde, die mit dem Verstand nicht zu erklären sind. "37°" geht der Frage nach, ob solche Ereignisse Zufall sind oder so etwas wie Schicksal.

Dass ich meine große Liebe traf, weil der Bus ausfiel, dass ich den Job fürs Leben fand, weil ich mein Kind zum Sport begleitet habe: Weil sich am Ende alles so gut gefügt hat, wollen manche gerne an einen großen Plan glauben, den das Leben für sie geschrieben hat.

Rationalisten würden das weit von sich weisen. Für sie klingen Begriffe wie Vorbestimmung, Fügung oder Schicksal verdächtig nach Esoterik und selbst gebastelter Religion. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie bestimmte Wendungen und Ereignisse im Leben zu deuten sind. Fest steht: Der Zufall durchkreuzt Pläne, greift in unseren Alltag ein, gibt ihm einen neuen, ungeplanten Dreh, bringt Unglück oder gar den Tod. Aber wenn wir Glück haben, eröffnet er auch einmalige Chancen.

Wie in der Geschichte von Thomas (40), die ganz anders hätte enden können. "Wenn ich damals nicht den Bus verpasst hätte, wäre ich jetzt nicht mehr hier", weiß Filmeffekt-Spezialist Thomas, nachdem er vor 13 Jahren beinahe Opfer eines terroristischen Bombenanschlags in London wurde. Thomas' Einstellung zum Leben ist immer optimistisch, voller Gottvertrauen. Er glaubt, dass es nicht bloß Zufall war, dass er damals genau im entscheidenden Moment zu spät kam.

Manfred (62) ist promovierter Naturwissenschaftler und davon überzeugt, dass alles im Leben immer nur zufällig geschieht. An schicksalhafte Fügungen oder Bestimmung glaubt er nicht, an Gott schon gar nicht. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse in seinem Leben. Zufällig trifft er nach 40 Jahren seine Schulhofliebe Claudia wieder. Hals über Kopf verlässt Manfred Frau, Kind und Eigenheim, um der ersten großen Liebe aus Kindertagen zu folgen. Wenige Wochen später bekommt er eine Krebsdiagnose mit sehr geringer Überlebenswahrscheinlichkeit. "Als ich dem Tod so nahe stand, aber innerlich so erfüllt war von meiner großen, neuen Liebe, da war ich mir sicher, das kann jetzt doch alles kein Zufall mehr sein", sagt Manfred. Seitdem betrachtet er das Leben aus einem ganz neuen Blickwinkel.

Christine (53), Erzieherin aus Berlin, war schon immer davon überzeugt, dass die einschneidenden Ereignisse im Leben nicht durch Zufall gelenkt werden, sondern dass alles im Grunde Bestimmung ist. Mehr noch glaubt sie, dass vieles, was passiert, innerlich zu spüren ist, sich vorher ankündigt. Es gibt Zeichen, Vorahnungen. Am 11. April macht sie sich schick, denn sie feiert ihren 33. Geburtstag. Es ist der Tag, an dem sie noch einmal das Leben geschenkt bekommen hat.

Damals ist das alte Fährboot, das sie und zwei Reisegefährtinnen von einer thailändischen Insel zum Festland bringen sollte, mitten auf dem Meer gesunken. Sie wagen es, zu dritt los zu schwimmen, fünf Stunden lang durch die Nacht. Sie erreichen tatsächlich Land, und es gelingt ihnen, Hilfe zu holen. Dank dieser erstaunlichen Rettungsaktion konnten noch mehr als 90 Überlebende aus dem Bootswrack gerettet werden. "Es war ja eine ganze Kette von Ereignissen, die damals nacheinander passiert sind und dazu geführt haben, dass wir nicht nur unser Leben, sondern auch das von so vielen anderen Menschen retten konnten. Das war Schicksal, das sollte so sein", da ist sich Christine ganz sicher.

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