Von Mördern, Machos und Matrosen: Moderne Kreuzfahrer

Von Mördern, Machos und Matrosen: Moderne Kreuzfahrer

Jahrzehntelang waren Kreuzfahrten verrufen als beschaulicher Urlaub für vermögende, in Ehren ergraute Senioren. Seit einigen Jahren aber boomt der Kreuzfahrtsektor, allein 2010 gingen weltweit acht neue Schiffe auf Jungfernfahrt. Ob Arktis oder Bahamas, ob Schokoladen-Kreuzfahrt im Mittelmeer oder Bibel-Kreuzfahrten auf der Donau: In dieser Branche gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Doch mittlerweile lassen sich die ersten Verkehrsstaus auf den Wasserstraßen dieser Welt ausmachen - wer frühmorgens auf einem Kreuzfahrtschiff in die Lagune von Venedig einläuft, muss sich in eine Perlenkette aus Schiffen einreihen, die den Blick auf den Markusplatz verstellen und von denen die meisten höher sind als der Dogenpalast. Der Dokumentarfilm 'Moderne Kreuzfahrer' erzählt von der Eroberung der Weltmeere durch Touristen - und beobachtet die Gäste und die Mannschaften, die Landschaften und die Freizeitangebote auf vier ganz unterschiedlichen Schiffen, die in den Meeren Europas kreuzen. Da ist zuerst die ehrwürdige, mit von Holz und Stahl in den 1930er Jahren von einer deutschen Reederei im Auftrag einer amerikanischen Millionärin gebaute Segel-Kreuzfahrtyacht See Cloud, mit der sich das Filmteam und 50 andere Gäste von Nizza ganz langsam über Korsika nach Barcelona bewegen; Schwimmstopps im blauen Meer vor Saint Tropez und malerische Abende in den Hafenstädten der Cote d'Azur inklusive. Die Sea Cloud ist das älteste Passagier-Segelschiff der Welt - und eines der teuersten auch. Da ist eines der luxuriösesten, wenn nicht das luxuriöseste Kreuzfahrtschiff der Welt - die MS Europa von der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, auf der die Zuschauer von Island aus zum Nordkap fahren. Da ist eines der erfolgreichsten Kreuzfahrtunternehmen, die ehemals ostdeutsche Flotte AIDA, deren durch den charakteristischen Kussmund am Bug bekannte Schiffe längst zum international größten Kreuzfahrtkonzern der Welt gehören. Die Aida Diva bringt die Reisenden von Istanbul zur griechischen Insel Santorin, die durch den Kreuzfahrttourismus bedingt in den Saisonmonaten alles andere als noch ein lauschiges, friedliches Plätzchen ist. Anders als auf althergebrachten Kreuzfahrtschiffen richtet die Aida sich vor allem an ein jüngeres Publikum und laut Umfragen verbinden mehr Deutsche mit dem Namen AIDA die Schiffe als die Oper von Verdi. Auf der Fahrt durchs östliche Mittelmeer begleiten die Zuschauer die Sänger und Tänzer des Musicals 'Divaria', das Teil eines gigantischen Unterhaltungsprogramms ist, das der Hamburger Entertainer Corny Littmann vom legendären 'Schmidts Tivoli' für die gesamte Aida-Flotte entwickelt. Und schließlich geht es von Sizilien über Montenegro und Kroatien bis nach Venedig - mit einem Motorsegler der besonderen Art unterwegs: auf dem Schiff einer amerikanischen Flotte sind 450 schwule Männer an Bord.

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