Überleben in Kabul

Überleben in Kabul

GesellschaftsreportageD  

Die deutsche Autorin soll den Schleier tiefer ins Gesicht ziehen. So fällt sie weniger auf. Kabul ist noch immer eine Stadt der Männer, der Entführungen, der Anschläge. Im März reiste Elke Jonigkeit nach Kabul, um drei Frauen wiederzutreffen, die sie seit 25 Jahren mit der Kamera begleitet. Sie filmte während der Sowjetzeit und beim Sturz der Taliban. Nun sollen die ISAF-Truppen dem Land Sicherheit für eine Demokratie nach westlichem Vorbild bringen. Wie sieht die Wirklichkeit aus? Was haben die Frauen gewonnen? Elke Jonigkeit blickt tief hinein in eine dem Fremden sonst verborgene Welt. Parwin ist Direktorin eines Mädchengymnasiums. Sie hat den Niedergang ihres Landes, die Verrohung der Sitten über Jahrzehnte durchlitten. Ohne männliche Begleitung darf sie sich nicht auf die Straße wagen. Heute ist sie wütend, weil teure Privatschulen wie Pilze aus dem Boden schießen. Mit zehnfachen Gehältern werben sie die wenigen Lehrer von ihrer staatlichen Schule ab. Fassungslos steht Parwin vor den neuen glitzernden Hochzeitspalästen Kabuls, wo Abend für Abend die Kinder der neuen Reichen teure Feste feiern. Die Arbeiterin Hafiza leitete während der Sowjetzeit die Werkstatt eines großen Baukombinates, jetzt betreut sie die Schneiderei im Frauengefängnis von Kabul. Hafiza ist Witwe, war einst Zweitfrau ihres Mannes, heute wollen ihre Töchter Ärztin werden, Journalistin oder 'etwas mit Computer'. Aber müssen sie nicht eine Zwangsheirat fürchten wie so viele Mädchen in Afghanistan? Immer mehr flüchten in ihrer letzten Not in die grausame Selbstverbrennung, oder sie landen im Frauengefängnis von Kabul, weil sie ihrem Ehemann davonlaufen wollten. Die Dokumentation lässt unmittelbar teilhaben am Schicksal von Parwin, Hafiza und ihren Töchtern. Von großer Kraft und Schönheit weiß sie zu erzählen, aber auch von bitterer Enttäuschung und Unsicherheit.

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