Todkrank durch die Pille?

Todkrank durch die Pille?

Die Antibabypille bedeutete für Generationen von Frauen sexuelle Freiheit. Doch einige dieser Hormonpräparate sind sehr umstritten. Felicitas Rohrer glaubt, dass die kleine Pille ihr vor allem großes Leid brachte. Die junge Frau nahm mehrere Monate eine der neueren Antibabypillen ein. 2009 wurde sie als Notfall mit einer doppelten Lungenembolie ins Krankenhaus gebracht. Sie überlebte nur knapp. Die damals 25-Jährige hatte keine Vorerkrankungen, war nicht dick, rauchte nicht. Ihre Ärzte vermuten, dass die Antibabypille Ursache der Erkrankung war. Zahlreiche neue Studien belegen, dass die Pillen der vierten Generation mit dem Wirkstoff Drospirenon im Vergleich zu den Pillen der ersten und zweiten Generation ein mindestens doppelt so hohes Thromboserisiko besitzen. Die Blutgerinnsel können zu Lungenembolien und Schlaganfällen führen.

Tod durch die Pille?

Das Ehepaar H. aus Leverkusen hat vor vier Jahren seine Tochter Nina verloren. Vermutlich ist sie an den Folgen ihrer Lungenembolie gestorben. Auch sie nahm drei Jahre lang eine Drospirenon-Pille und war zuvor eine kerngesunde junge Frau. Allein in Deutschland gibt es laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 18 registrierte Todesfälle im Zusammenhang mit diesen Medikamenten. Trotzdem verschreiben Ärzte die Drospirenon-Pillen viel häufiger als ältere und bewährte Präparate. Die Werbung lockt junge Frauen damit, durch die Einnahme schöner und schlanker zu werden.

Klage gegen Bayer

Felicitas Roher muss seit ihrer Erkrankung blutverdünnende Medikamente nehmen und kann vermutlich nie Kinder bekommen. Im Mai 2011 hat sie den Pharmariesen Bayer auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagt. Mehr als vier Jahre musste die junge Frau auf den Prozessbeginn warten. Am 5. November ist es nun soweit, der Prozess gegen den Hersteller der Pille beginnt. Der Vorwurf von Felicitas Rohrer lautet: Der Pharmakonzern hätte damals auf das erhöhte Thromboserisiko im Beipackzettel hinweisen müssen. "Ich will Gerechtigkeit und bin die erste in Deutschland, die das macht. Aber ich habe Glück im Unglück gehabt, ich lebe noch", so die heute 31-Jährige. In den USA hat Bayer bereits 1,9 Milliarden Dollar Entschädigung an die Opfer gezahlt - außergerichtlich und ohne Schuldeingeständnis. In Deutschland spricht der Pharmakonzern bislang von Einzelfällen und bedauerlichen Schicksalen. Felicitas Rohrer hat eine Selbsthilfegruppe gegründet. Mit vielen anderen Frauen will sie dafür kämpfen, dass Bayer die umstrittenen Pillen vom Markt nimmt.

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