Tango in Irkutsk

Tango in Irkutsk

Ein Wetter zum Heldenzeugen, so heißt das in Irkutsk, wenn sich der Himmel blau und gläsern über das Zarendenkmal wölbt. Wenn die Sonne die Kuppeln der Kasaner Kirche wie golden flirrende Luftblasen aufsteigen lässt und den russischgrünen Bahnhof zum Leuchten bringt. Wenn ein kühler Wind vom Fluss über den Gagarin-Boulevard weht, über leere Popkorntüten und über Männer hinweg, die sehnsuchtsvoll den Mädchen nachblicken, wie sie auf Zwölfzentimeterabsätzen am Ufer der Angara entlang stöckeln. Männer, an deren Handgelenken Täschchen baumeln und deren Hemden so steif gebügelt sind, dass die Ärmel wie kleine Flügel abstehen. Es ist der Tag des Bauarbeiters. Eigentlich soll unter dem Zarendenkmal ab fünf Uhr nachmittags Tango getanzt werden, so wie jeden Sonntag im Sommer, gleichgültig, ob des Elektrikers oder des Traktoristen gedacht wird. Tango, Walzer, Rumba - Hauptsache, es regnet nicht.

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