Schwarzer Markt und heiße Liebe

Schwarzer Markt und heiße Liebe

KomödieSOL / SCG / YU / SB / F / D / NL  

Belgrad wird 1999 von den Luftstreitkräften der NATO massiv bombardiert. Doch das entsetzt nicht jeden. Die blonde Dusica (Branka Katic) etwa legt sich leicht bekleidet auf ihre Dachterrasse, darauf hoffend, ein erotisches Ziel für die AWACS-Aufklärer abzugeben. Dusica, deren Zimmer wie ein amerikanisches Fremdenverkehrsbüro eingerichtet ist, träumt davon, von einem schneidigen US-Piloten entdeckt und ins 'Gelobte Land' entführt zu werden. Ihr Bruder Ljubisa (Lazar Ristovski), der unangefochtene 'König des Schwarzmarkts', sieht die Lage etwas anders. In einer patriotischen Aufwallung tauscht er zwei Mercedes-Limousinen gegen eine uralte russische Boden-Luft-Rakete, mit der er vom Vorgarten aus kurzerhand einen Aufklärer abschießt. Und so bekommt jeder, was er will: Der Flieger stürzt ab und mit ihm ein blonder G.I. (Simon Lyndon), der buchstäblich auf Dusica fliegt. Allerdings beruft der sich vergeblich auf die Genfer Konvention, denn Schwarzmarkt-Ljubisa überlegt sofort, wie sich ein privater Kriegsgefangener am gewinnbringendsten verhökern ließe. Dusica dagegen setzt alles daran, den armen, fassungslosen G.I., der ihrer Ansicht nach Robert Redford ähnelt, zu bezirzen. Der kurzerhand 'Bobby' getaufte Sonnyboy, der zum Spielball von Schwarzmarktmafiosi zu werden droht, hat zunächst wenig Sinn für Dusicas Annäherungsversuche. Schließlich tut sich auch Ljubisa mit ihm zusammen, um einen Anschlag auf Milosevic zu versuchen, auf den schließlich ein millionenschweres Kopfgeld ausgesetzt ist. Die turbulente schwarze Komödie, die im Kino unter dem Titel 'Falling into Paradise' lief, beleuchtet mit satirischer Überzeichnung die prekäre Stimmungslage der Belgrader Bevölkerung während des Krieges. Die widersprüchliche Hassliebe zum Westen äußerst sich nicht nur im Falle von Dusica, die rückhaltlos für den American Way of Life schwärmt, sondern auch bei der knurrigen Oma, die auf die 'verdammten Deutschen' am Himmel schimpft und die ganze Zeit Englisch lernt. Regisseur Radovic teilt mutig nach allen Seiten aus und macht sich sowohl über den naiven Amerikaner lustig wie auch über die Ohrfeigen verteilenden örtlichen Machos, die sonnenbebrillten Mafiosi und gar über die Armee. Dusicas schlaue kleine Tochter kommentiert den Schlamassel mit 'Wir brauchen keinen, der Bomben auf uns wirft. Das schaffen wir ganz allein.' Die Selbstironie, von der die absurde Komödie durchzogen ist, wird besonders durch die doppelbödige Figur des durchgeknallten Ljubisa, gespielt vom serbischen Star Lazar Ristovski, vermittelt. Untermalt von frenetischem Balkan-Pop, plädiert die hemdsärmelige Komödie für Völkerverständigung und macht ein ernstes Thema etwas leichter verdaulich.

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