Schätze der Welt - Erbe der Menschheit - Spezial: Südamerika Amerika von Nord nach Süd Schätze der Welt - Erbe der Menschheit - Spezial: Südamerika Amerika von Nord nach Süd Schätze der Welt - Erbe der Menschheit - Spezial: Südamerika Amerika von Nord nach Süd

Schätze der Welt - Erbe der Menschheit - Spezial: Südamerika Amerika von Nord nach Süd

3sat Live-TV 3sat 13.09., 15:15 - 17:00 Uhr
DokureiheD 105 Minuten 

Die "Spezial"-Ausgabe führt nach Südamerika zum Welterbe der Inkas und der Geschichte der Kolonisation durch die Europäer. Stationen sind Peru, Brasilien, Uruguay, Argentinien und Chile.

Karg ragen die Vulkane des Galapagos-Archipels aus den Fluten des Pazifischen Ozeans. Vor fünf Millionen Jahren durchstieß Lava die hier extrem dünne Erdkruste und gebar den ersten Vulkan. Durch Erdplattendrift wurde er verschoben und machte neuen Inseln Platz.

Der Machu Picchu, auf Deutsch "Alter Gipfel", ist eine der größten Touristenattraktionen in Südamerika. Täglich besuchen mehr als 2000 Personen die Sehenswürdigkeit. Die UNESCO fordert eine Reduktion, um das Kulturerbe nicht zu gefährden, und wehrt sich auch vehement gegen den geplanten Bau einer Seilbahn nach Machu Picchu, die den Touristenstrom weiter ansteigen ließe. Ganz reale Probleme in einem Welterbe voller Rätsel, Mythen und Legenden.

Über die einstige Stadt existieren keine Überlieferungen, weshalb nur Vermutungen angestellt werden können. Die Forschung geht heute davon aus, dass sie bis zu 4000 Einwohner hatte und Mitte des 15. Jahrhunderts gebaut wurde. Auch das Ende von Machu Picchu ist bis heute ungeklärt. Vermutlich war mit dem Zusammenbruch des Inkareichs auch der Untergang dieser Stadt unabwendbar. Dann holte sich der Urwald die Häuser, Tempel und Mauern zurück. Die Inka-Stadt fiel in einen 300-jährigen Schlaf.

Eine der ersten Eroberungen Portugals in Brasilien war die Stadt Olinda. Zuckerrohrplantagen waren die Quelle des Reichtums dieser Stadt. Sklaven, aus Afrika verschleppt, dienten als billige Arbeitskräfte. Je mehr die Europäer die Neue Welt vereinnahmten, desto größer wurde ihre Begierde nach Sklaven aus Afrika. Ohne die erbarmungslose Ausbeutung dieser Menschen hätte die Eroberung des neuen Kontinentes wohl nicht stattgefunden. 12,5 Millionen Afrikaner sind bis zum 19. Jahrhundert Richtung Amerika deportiert worden.

Auch in Ouro Preto wurden Sklaven in Ketten ausgestellt und an reiche Minenbesitzer verkauft. Einst war Ouro Preto eine Stadt im Goldrausch. Im Inneren der Kirche Nossa Senhora do Pilar ist überall zu sehen, was Ouro Preto einst reich machte: Nahezu 400 Kilogramm Blattgold wurden auf die Figuren und Holzschnitzereien aufgetragen. All das Gold wurde durch Sklavenarbeit aus den Bergwerken geholt. 20 Prozent seines Goldes musste ein Minenbesitzer an das Königshaus in Lissabon zahlen.

Colonia del Sacramento, einst von Portugiesen gegründet, ist die älteste europäische Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Uruguay. Ihre strategisch günstige Lage in der Bucht des Rio de la Plata führte zu ständigen Territorialstreitigkeiten zwischen Spanien und Portugal, zu Belagerungen und Zerstörungen der Stadt. Erst 1828, mit der Gründung der unabhängigen Republik Uruguay, endete der Streit der Kolonialmächte. Die Altstadt, mit geduckten Kolonialhäusern, schmiedeeisernen Gittern, ruhigen Plätzen und viel Grün, vermittelt an jeder Ecke den Charme einer Miniaturstadt aus der Kolonialzeit. Die zum Teil gut erhaltenen Bastionen sind ebenso Zeugnisse der Vergangenheit wie die Reste der Stadtmauer. Als kulturhistorische Besonderheit gilt die aus dem 17. Jahrhundert stammende Kathedrale, die älteste Kirche Uruguays. Fernando Cardani, ein uruguayischer Schauspieler, lebt heute im Weltkulturerbe Colonia del Sacramento. Er führt das Film-Team durch seine Stadt und lässt dabei die wechselvolle Geschichte Revue passieren.

Córdoba, die zweitgrößte Stadt Argentiniens, wurde 1573 gegründet. 1599 begannen die Jesuiten mit dem Bau eines Gebäudekomplexes, der zum Zentrum ihrer Missionsarbeit in Lateinamerika werden sollte. Religiöser Kern des Komplexes ist die Iglesia Compania de Jesus, Córdobas älteste Kirche. Im Jesuitenorden kamen zu den Gelübden der Armut und Keuschheit das sogenannte "Papstgelübde". Demnach muss sich jeder Einzelne wie auch der ganze Orden vom Papst überallhin senden lassen. Auf diese Weise entstand eine ausgedehnte Missionstätigkeit. Die Blütezeit Córdobas begann 1613 mit der Gründung der Universität. Im Volksmund wird Córdoba auch als "La Docta", "die Gelehrte", bezeichnet, wegen der vielen Kirchen auch als "ciudad de las campanas", als "Stadt der Glocken".

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war Córdoba die wichtigste Stadt Argentiniens. Sie prosperierte vor allem wegen der günstigen Bedingungen für die Landwirtschaft in der Umgebung und wegen ihrer Lage an der wichtigen Handelsroute zwischen Buenos Aires und der Silberstadt Potosí im heutigen Bolivien. Zur Versorgung der Stadt gründeten die Jesuiten im Umland zahlreiche Siedlungen wie die Estancias Jesus Maria, Caroya, Santa Catalina und Alta Gracia. In diesen Siedlungen gewährte man den missionierten Indios eine begrenzte Selbstverwaltung und wirtschaftliche Autarkie. Zwischen Kollektivwirtschaft und Privatbesitz wurde ein effizientes wirtschaftliches System etabliert.

"Du bist ein Regenbogen vielfältiger Farben, Valparaiso, du großer Hafen ..." diesen Vers widmete der Dichter Pablo Neruda seiner Heimatstadt. Ja, es sind die Farben, die zuerst ins Auge fallen, wenn man vom Pazifik in den Hafen des Welterbes einläuft, die Altstadt von Valparaiso. Die Farben der meist kleinen Häuser, hemmungslos leuchtend. Sie scheinen die 27 Hügel, welche die weite Bucht begrenzen, hinaufzuwachsen. "Paradiestal", so hatten die Spanier die von Indios bewohnte Bucht an der Pazifikküste genannt, die sie 1536 entdeckten und in Besitz nahmen. Sie bauten eine Kirche auf dem schmalen Uferstreifen, das Kreuz wurde zum Siegeszeichen. Um die Iglesia La Matriz wuchs die Altstadt, die heute Welterbe ist - Welterbe mit Erblasten. Atemberaubend steil sind hier die Sträßchen. Endlos scheinen die Treppen zu steigen und zu fallen. Man braucht als Bewohner der Cerros, der Hügel, einen langen Atem, und auch, wenn man als Besucher die Aussicht genießen will. Neruda hat den Aufstieg zu poetischer Prosa komprimiert: "Wie viele Treppen, wie viele Stufen, wie viele Füße auf den Stufen, wie viele Jahrhunderte von Schritten, treppauf, treppab ..."

In Patagonien, dem südlichsten Teil Amerikas, liegt der Nationalpark Los Glaciares mit seinen 13 Gletschern. Das Gebiet gehört zu Chile und Argentinien. Der größte der Eisriesen ist der Perito Moreno. Er ist einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen und walzt alles nieder, was ihm in den Weg kommt. Die Gewalt der blauen Kälte schleift gigantische Felsen ab und versperrt Wasserwege. Dieser Gletscher ist einer der wenigen auf der Erde, der noch wächst: faszinierende Anblicke in einer unwirtlichen Szenerie.

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