Romeo und Julia in der UdSSR

Romeo und Julia in der UdSSR

In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts war William Shakespeare in der Sowjetunion sehr beliebt. Seine Werke galten als unerschöpflicher Quell von dramatischen Widersprüchen, vom mittelalterlichen Feudalismus bis hin zum humanistischen Gedankengut der Renaissance. Shakespeares Stücke kamen in Moskau, Leningrad und Wladiwostok ebenso zur Aufführung wie in abgelegenen Dörfern des Urals und Sibiriens, in Arbeiter- und Militärclubs, in Sowchosen und Kolchosen. 1935 gab das Bolschoi-Theater bei Sergei Prokofjew eine Ballettadaptation von 'Romeo und Julia' in Auftrag. Das Werk sollte bei den Massen die Begeisterung für die kommunistischen Ideale und für große Gefühle schüren. Im Schicksal der Liebenden von Verona finden sich viele Parallelen zur wandelvollen Geschichte des Meisterwerks von Prokofjew, einem der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Geradezu exemplarisch illustriert die Werkgeschichte dieses Balletts die in vielen totalitären Staaten praktizierte ideologische Vereinnahmung von Kunstwerken zu Propagandazwecken, durch die sich die Machthaber die Herrschaft über alle Bereiche der Gesellschaft sichern wollen. In zahlreichen Interviews und anhand historischer und musikalischer Archivbilder beleuchtet Iossif Pasternaks Film die Geschichte von Prokofjews 'Romeo und Julia'. ARTE stellt diesen Beitrag auch bis sieben Tage nach Ausstrahlung in einer 'Streaming'-Fassung auf ARTE+7 bereit.

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