René - aus Tschechien

René - aus Tschechien

Erfolgsfilm des Herbstes 2008, eingeladen auf europäischen Festivals und mehrfach preisgekrönt, u.a. mit dem Europäischen Dokumentarfilmpreis 2008, vergeben von der European Film Academy und ARTE, und dem Preis des MDR für den Besten Osteuropäischen Film auf dem Dokfestival Leipzig 2008. 1989 beginnt Helena Trestiková, den jugendlichen Strafgefangenen René zu filmen. Fast zwanzig Jahre folgt sie dem Rhythmus eines Lebens, das sich in Gefängnissen abspielt und nur von kurzen Phasen der Freiheit unterbrochen wird. Zwanzig Jahre, in denen sich epochale gesellschaftliche Umbrüche vollziehen, Systeme, Staatsformen und Regierungen wechseln - angedeutet in Fernsehbildern, die in Renés Zelle dringen. Der Reglosigkeit und Abwesenheit von Tempo 'drinnen' steht ein ruheloses 'draußen' entgegen. In dem René auf Plätzen, Bahnhöfen, in Zügen unterwegs ist - ohne jemals anzukommen. Die Verbindung zwischen drinnen und draußen ist die Regisseurin selbst, die zur einzigen verlässlichen Konstante im Leben ihres Protagonisten wird. Eine widersprüchliche, wechselvolle Beziehung, die René in seinen Briefen an Trestiková reflektiert. Von ihm gelesen, erweitern sie den Film um eine Ebene, in der die Filmemacherin praktisch zur zweiten Protagonistin wird. René, der mit ihrer Hilfe im Lauf der Zeit selbst zum erfolgreichen Autor avanciert, erweist sich dabei als ebenbürtiger, aber schwieriger Partner. Aufmerksamkeit fordert er eben so drastisch heraus wie er immer wieder das Verhältnis von Filmemacherin und Protagonist hinterfragt. Die Versuche, ihn zum Mitautoren des Films zu machen, sind Teil der Geschichte. Einer Geschichte von überwältigender Kraft, die dorthin reicht, wo es weh tut.

Bewertung

0,0   0 Stimmen